Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 hinzu, die er sich ganz unnützerweise selbst auflnd. So überlegte er und entschloß sich deshalb, seine Zweifel bei sich zu behalten und alle seine Sorgen in seine eigene Brust zu verschließen. Aber er hatte falsch gerechnet. Die innere Angst wuchs stetig und ließ sich auch vor der Umgebung nicht verbergen. Seine Eltern und Hausgenossen wußten nicht, was es wäre, das Copilia so tief beschwerte, aber unzweifelhaft litt er in höchstem Grade; und mit Bangen sahen sie dem Tage entgegen, wo er völlig in Irrsinn verfallen würde. Vieles in seinem Benehmen schien schou den Beginn einer geistigen Störung anzudeuten, und seine Schwermuth lag auch auf ihnen bereits mit beängstigendem Druck. Er selbst aber erkannte noch rechtzeitig, daß es so nicht weiterginge, und faßte daher den Entschluß, wieder den Wanderstab zu ergreifen. Die Seinen, denen er dies mittheilte, waren sogleich der Ueberzeugung, daß ihm ein Wechsel der Verhältnisse nur gut thun könne, und gaben also gern die Erlaubniß zur Reise. Sein Plan war, in der Fremde ein Geschäft zu eröffnen oder daselbst seine Studien von Neuem aufzunehmen, um endlich doch einmal zur Klarheit zu gelangen. Als nächstes Reiseziel hatte er sich Frankfurt a. M. ersehen, unterwegs aber wurde er anderes Sinnes und kam nach Cleve, wo er in die Handlung eines jüdischen Kaufmannes eintrat. Nach halbjährigem Aufenthalte an dem neuen Orte wurde er mit dem dasigen gelehrten und freundlichen Prediger Johann Daniel von Mann bekannt, und nun entschloß er sich, diesem seine Gemüthsbekümmerniß zu entdecken. Der würdige Geistliche nahm ihn gütig auf, gestattete ihm, so oft er es begehre, ihn zu besuchen und ermuthigte ihn, alle seine Fragen und Zweifel ihm vorzulegen. Das that denn auch Copilia und erörterte jetzt mit dem Prediger die ihm wichtigen Punkte auf's Eingehendste; er hatte dabei volle Freiheit, seine Einwürfe gegen die ihm vorgetragene christliche Lehre auszusprechen, und ruhte allerdings auch nicht eher, als bis ihm Alles zur Zufriedenheit klar gemacht worden war. Aber gerade dadurch gelangte der jüdische Schriftgelehrte zu der vollen Ueberzeugung von der Wahrheit des Christenthums, und daß es ein vergebliches Bemühen sei, durch den jüdischen Ceremoniendienst den Frieden mit Gott zu erlangen. Er erkannte jetzt klar, welch' ein trügerisches Spiel bei demselben mit dem heiligen Gotte