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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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75 Übersetzung durchaus von dem ernsten Bestreben getragen sei, nur den Sinn der heiligen Schriftsteller wiedcrzugeben und ihnen nirgends etwa eigene Gedanken unterzuschieben; er erkannte es deshalb klar, daß beide in innerster Uebereinstimmung miteinander stünden, während sich ihm doch die rabbinischen Erklärungen gar zu oft als Entstellungen und Verdrehungen des Wortsinnes der Schrift herausgestellt hatten. Da war es denn auch nur natürlich, daß er nicht eher ruhte, als bis er, in solcher Weise den hebräischen und den deutschen Text miteinander vergleichend, das ganze Alte Testament durchgelesen und durchstudirt hatte; aber allerdings um die Ruhe seines Gemüthes war es damit auch geschehen. Seine bisherige Religion erschien ihm jetzt überall als durchaus zweifelhaft, und wo er auch dieselbe anblicken mochte, nirgends fand er das Vertrauen zu ihr wieder. Darüber schien ihm aber der Boden unter den Füßen zu wanken, und eine unsägliche Angst bemächtigte sich seines Gcmüthes. Dennoch wagte er es nicht, mit dem Bekenntnisse dessen hervorzutreten; die Metzer Erfahrungen schreckten ihn davon ab, anderen Juden seinen inneren Zustand mitzutheilen; und so weit war er noch nicht gelangt, daß er sich an Christen hätte wenden können, denn noch erwartete er es nicht, durch sie die rechte Heilung zu finden. Wohl hatte die christliche Bibelübersetzung einen Eindruck auf ihn gemacht, aber er war trotzdem noch weit davon entfernt zu glauben, daß auch die Lehre, welche die Christen ans der Bibel gezogen hätten, die richtige wäre. Nach einiger Zeit starb aber sein Handelsherr. Die Fremde war ihm verleidet und er hoffte, in der Heimath wieder seine Gemüthsruhe zu finden; darin jedoch täuschte er sich bitter. Seine Verwandten und die anderen zahlreichen Juden seiner Umgebung waren nicht anders als alle, die er im Westen kennen gelernt hatte. Entdeckte er sich also denselben, dann hatte er gewiß Verfolgungen zu erwarten, und diese erschienen ihm in um so schwärzerem Lichte, als er ja noch nichts Gewisses besaß, das ihm an Stelle des eingebüßten jüdischen Glaubens hätte Halt und Trost geben können. Bisher wußte er eben nur von Zweifeln; kamen nun äußere Anfechtungen hinzu, dann hatte er also doppelte Leiden zu tragen; denn seinen inneren Frieden konnten ihm solche doch nicht bringen, sondern zu den geistigen Nöthen kam nur eine neue Last

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