Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554864--07387-2563401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 ihrer Umgebung richtig anzucignen; denn die Christen und ihre Gedanken, ihre Schrift und Schriften, ihre Geistesarbeit und ihr gesammtes Leben galten als etwas Unreines, mit dem man nur, soweit es durchaus nöthig wäre, Berührung haben dürfe. Hiernach begab er sich 1725 bei einem jüdischen Kaufmanne zu Kreuznach in den Dienst und verweilte bei demselben 4 Jahre. Die Zeit, welche er erübrigen konnte, verwandte er besonders auf das Lesen der heiligen Schrift; der Talmud war ihm verleidet, und die Bibel dagegen zog ihn immer mächtiger an. Sein Studiren in derselben erweckte jedoch in ihm allmählig auch den Wunsch, die Lehre der Christen, welche die bereits erfolgte Ankunft des Messias behauptet, näher kennen zu lernen, und so trug er denn zunächst ein Verlangen danach, einmal eine deutsche Bibel zu gewinnen. Die Gelegenheit hierzu fand er in dem Zweibrückischen Meisenheim. In diese Stadt führten ihn des Oefteren Handelsgeschäfte, und dies benützte er einmal zu einem Besuche des dortigen reformirten Predigers. Er bat denselben, ihm für den gewöhnlichen Preis eine Bibel kleineren Formats abzulassen, aber der Geistliche fürchtete Anfangs, daß der jüdische Fremdling hierbei keine gute Absicht habe, und schlug ihm deshalb sein Begehren ab. Copilia offenbarte sich ihm jedoch hierauf und theilte ihm mit, was ihn innerlich bewegte. Das stimmte den Geistlichen um, und er gab nunmehr dem Bittenden das gewünschte Buch umsonst. Copilia eilte nun mit seinem Schatze nach Hause, aber um ungestört in der Schrift lesen zu können, verbarg er dieselbe vor Aller Augen, und, um stets ein Stück derselben bei sich haben zu können, zerlegte er sie in vier Theile. So trug er denn beständig das theure Gut mit sich herum und war eifrig beflissen, jeden freien Augenblick zum Lesen in derselben zu verwenden. Insbesondere lag eö ihm jetzt daran, zu erkennen, ob denn die Christen, welche sich doch auf das Alte Testament für ihre Lehre beriefen, wirklich den heiligen hebräischen Text übersetzt oder einen anderen in ihrer Uebersetzung untergeschoben hätten. Hatte er vorher also die rabbinischen Bücher mit dem hebräischen Alten Testamente verglichen, so verglich er jetzt mit nicht minderem Eifer das letztere mit der Lutherischen Uebertragung; denn er wollte überall sich selbst von dem Stande der Dinge überzeugen und so zu voller Klarheit gelangen. Er erkannte darüber nun aber auch, daß die lutherische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.