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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 5-6 (1880) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
5-6 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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78 erkannt worden sei; denn sie lebten ja ohne einen Herrscher aus Davids Hause dahin. Dies gab nun zu vielen Disputationen Anlaß, und die rabbinischen Lehrer suchten ihrem Jünger seine Bedenken zu heben, aber es gelang ihnen nicht; denn alle ihre Deutungen waren gar zu dürftige, als daß sie sich vor dem Wahrheitsgefühlc Copilias gerechtfertigt hätten. Da nun die Meister aus Israel mit dem jungen Menschen auf diese Weise nicht zum Ziele kamen und ihre Weisheit denselben nicht überwand, griffen sie zu dem altgewohnten Mittel der Einschüchterung. Copilia wurde als ein hartnäckig der heiligen Lehre Widerstrebender für 4 Wochen in den Bann gethau und durfte während dieser Zeit weder den Synagogcngottesdieust noch die Akademie besuchen. Das hatte jedoch in keiner Weise den gewünschten Erfolg. Copilia fühlte es zu tief, daß es das Allertraurigste wäre, in Fragen des Gewissens und wo cs sich um die Wahrheit handelte, die Entscheidung bei der Gewalt zu suchen, als daß die Sache hiermit für ihn abgcthan gewesen wäre. Es empörte ihn innerlich, daß man in so ernsten und geistigen Dingen mit ihm in dieser Weise verfuhr, und gab ihm zugleich die Gewißheit, daß er sicher ans richtigem Wege sein müsse, da man cs ja aufgegeben habe, ihn mit Gründen eines Besseren zu belehren. Die Gewalt erreichte also nur das Gegentheil; und da er die Wahrheit als mächtiger erkannte, machte jene ihn auch nicht kleinmüthig, sondern spornte ihn vielmehr an, fortan die rabbinische Lehre gründlicher und allseitiger zu untersuchen; denn es stand ihm jetzt fest, daß sie auch noch in manchen anderen Punkten unzuverlässig sein werde. Aber die Neigung zum Amte eines Rabbiners ging ihm darüber allerdings verloren; denn er sah bereits zu deutlich, daß er dies mit gutem Gewissen nicht würde verwalten können, und so beschloß er jetzt vielmehr, sich dem Handelsstande zuznwenden. Die Richtung auf das Gründliche, welche ihm bisher eigen gewesen war, zeigte sich nun aber bei ihm auch in seinem neuen Lebcnsbcrufc. Er sah, daß er von jetzt an viel mit Christen zu thnn haben würde, und, darin den meisten seiner damaligen Stammcsgeuosscn unähnlich, veranlaßte ihn dies, von einem Christen Deutsch schreiben und lesen zu lernen. Für gewöhnlich begnügten sich die Juden jener Tage an ihrem verdorbenen Judendeutsch und sahen cs selbst als etwas Gefährliches oder Gottloses an, sich die Sprache 6*

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