Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 5-6 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Christian Fürchtegott Liepmann ist am 27. Mai 1708 zu Königsberg in der Neumark geboren. Sein Vater Liepmann stammte aus Berlin und legte dem Sohne bei der Beschneidung, den 3. Juni, . den Namen Copilia bei. Der Knabe zeigte gute Gaben, und so beschloß der Vater, ihn Rabbi werden zu lassen. Eine Schwester des Vaters wohnte in Prag, welches damals ein Hauptsitz rabbinischer Studien war, und diese erbot sich, den zehnjährigen Knaben zu sich zu nehmen. In Prag nun blieb der junge Copilia 4 Jahre und las hier fleißig unter Anleitung seiner Lehrer talmudischc Schriften. Seine Tüchtigkeit veranlaßte die dortigen Rabbincn, ihm den Rath zu geben, sich zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse nach dem in jenen Tagen als jüdischen Studicnort hochberühmten Metz zu begeben, und Copilia folgte demselben. 2 Jahre setzte er nun in dieser Stadt seine Studien fort und dies wieder mit bestem Erfolge; trotz seiner Jugend gewann er aber bald eine überraschende geistige Selbstständigkeit und beschränkte sich durchaus nicht darauf, nur einfach in den Fußtapfeu seiner Lehrer einherzugehn. Von besonderer Wichtigkeit wurde es für ihn, daß er die Erklärungen des Alten Testamentes nicht, wie es die Meisten gewohnt waren, einfach und ohne weiteres Nachdenken den rabbinischen Schriften entnahm, sondern daß er die Schrift selbst nachlas, nm ihren Sinn und ihre Gedanken unmittelbar verstehen zu lernen. Er war auch unbefangen genug, um bald eine Verschiedenheit wahrzunehmen, und besaß zu viel Wahrheitsgefühl, als daß er hierüber gleichgiltig hinweggegangen wäre. Vielmehr sah er sich jetzt veranlaßt, ganz ernstlich zwischen der Schrift und ihren jüdischen Auslegern Vergleichungen anzustellen, und das Ergebniß war, daß er voller Zweifel über die Richtigkeit der rabbinischen Schrifterklärung wurde. Die Scrupel auf der einen Seite und das Verlangen auf der anderen, Gewißheit darüber zu erlangen, ob die Lehre der Rabbincn göttliche Wahrheit sei, veranlaßten ihn, seine Bedenken über die gewöhnliche Erklärung von Jeremia 33,17 vor seinen Lehrern offen auszusprechen. „So spricht der Herr, nicht soll dem David ein Mann ausgerottet werden, der auf dem Stuhle des Hauses Israels sitzt!" heißt es dort, und die Stelle, das erklärte er, schiene doch darauf hinzudeuten, daß der Messias schon gekommen sein müsse, derselbe aber von den Juden nicht