Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Prof. Cohen jedesfalls verdient das Zeugniß, daß er ohne Rückhalt und mit vollster Offenheit die Voraussetzungen anerkennt, unter welchen von den Juden allein der Anspruch ans nationale Gleichheit mit den Landesbewohnern erhoben werden kann. Tieferes religiöses Verständniß würde ihn, und wir hoffen, es werde bei ihm noch einmal hierzu kommen, dahin führen, daß er die ungemeine Kluft zwischen Judenthum und Christenthum erkennt. Dann wird er selbst in der vordersten Reihe derer stehen, welche gegenwärtig von den Juden so viel geschmäht werden, weil sie fordern, daß unser Volk ein deutsches und christliches bleibe. Aber allerdings wissen wir aus Gottes Wort, und die geschichtliche Erfahrung bestätigt es uns auch durch den Verlauf aller Jahrhunderte: Das jüdische Volk wird sich niemals, so lange es unter den Völkern lebt, seine nationale Besonderheit aufzugeben entschließen. Wohl halten wir daran fest, daß es zuletzt ein christliches Volk werden wird, aber dies wird allein in seiner alten Heimath geschehen, in welche es die geschichtlichen Führungen Gottes zurückführen und um so gewisser einmal zurückleiten werden, als die völlige Unmöglichkeit, die Juden mit ihrer Umgebung innerlich zu vereinigen und zu verschmelzen, immer klarer zu Tage treten wird. „Dies Volk wird besonders wohnen und nicht unter die Völker gerechnet werden", mit diesem Weissagungswort (4. Mose 23, 9) beginnt die nationale Geschichte der Juden. In der Zeit ihrer Zerstreuung aber bleiben sie, wie der Apostel Paulus sagt, zusammengeschloffen als besondere Gemeinschaft, welche der Widerspruch gegen den menschgewordenen Gottessohn zusammenhält, ausbewahrt. Es ist unmöglich, sie mit ihrer Umgebung so zu verbinden, daß sie Fleisch vom Fleische und Geist vom Geiste eines andern Volkes werden. Mit dem einzelnen Juden, welcher Christ wird und so sein Volk verläßt, kann dies geschehen, mit der Judenschaft, die eine eigne Religionsgemeinschaft bleibt, niemals. Als Religionsgemeinschaft aber heißt auch Pros. Cohen die Seinen einstweilen noch besonders für sich leben; er glaubt dies um so mehr thun zu können, als er der Meinung ist, daß Judenthum und zum Wenigsten protestantisches Christenthum schon eigentlich im Wesen eins seien und es immer vollkommener werden würden. Indem jedoch selbst dieser ausgezeichnete Mann so denkt, wird es für den Christen doppelt klar, daß die Zeiten ihren Verlaus