Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554863--07381-2563394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nur so nehmen werden, wie wir es ans der Schrift wissen. Die Juden werden Juden bleiben, eine Nation inmitten der Nationen, welche dieselben eben daher auch als solche betrachten müssen. Erfordert dies, daß man es aufgebe, durch das allgemeine Staatsbürgerthum den Frieden zwischen beiden Theilen Herstellen zu wollen, so fordert doch gerade auch wieder das Gesetz Christi, daß die Aufrechterhaltung des christlichen Charakters unserer Völker nicht nach alter Weise zur Bitterkeit und blutigen Feindschaft gegen die Juden unter uns ausarte. Die Juden sind den christlichen Völkern von Gott einmal dazu übergeben, damit sie alle einzelnen derselben reizen, sich ihr Heil in Christo schenken zu lassen, und damit sie auch die, welche das nicht wollen, für jene Zukunft aufbewahren, wo sie selbst allen voran als Nation das Königreich Christi auf Erden herzustellen bemüht sein werden. Darum trägt sie auch immerdar die göttliche Geduld. Geduld geziemt deshalb nicht minder den christlichen Völkern den Juden gegenüber, und die Geduld wird uns leichter werden, wenn wir mit unseren Augen nicht allein an der Gegenwart haften bleiben, sondern auch das Bild ihrer Zukunft uns durch die Schrift vorführen lassen. Je mehr christlicher Geist aber in den Völkern lebt, desto mehr werden wir zur Geduld gegen die Juden bereit sein; je mehr dagegen der Geist des bloßen Humanismus oder des Neuprotestantismus unter uns einzieht, den gegenwärtig noch viele Juden so sympathisch begrüßen, desto dunkler wird sich ihr Leben gestalten. Werden wir mehr Ernst mit unserem christlichen Volksthum machen, so werden die Juden Manches von dem einbüßen, was sie gegenwärtig besitzen und genießen, aber sie werden sicherer unter uns wohnen. Gerade im Genuß, das sagt ja Paulus ihnen Römer 11 voraus, werde sie stets das größte Unheil treffen, und die Geschichte hat sein Wort in schauerlichster Weise bestätigt. Gott sei Dank, daß die letzte Lösung der Judenfrage voll Friedens ist, denn am Ende wird Israel der Prediger Christi in aller Welt sein; Israel ist dann nicht ein deutsches noch ein anderes Volk geworden, sondern es ist ein besonderes Volk geblieben, aber sein Leben zu der Zeit ganz und gar ein priesterlicher Dienst Jesu Christi geworden, und zu demselben reizt es fortan auch die Völker an aller Welt Ende.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.