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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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67 schreiben- Grätz wirft er beim auch auf's Strengste vollständige Verkehrtheit in seinem ganzen nationalen Fühlen und Urtheilen vor und tadelt auf's Entschiedenste „die Abschätzung deutscher Männer nach dem Grade ihrer Judenfreundlichkeit". „Glieder eines Volkes haben die Pflicht, eine Einheit des Daseins und Bewußtseins anzustreben und dieselbe immer inniger auszubilden." Prof. Cohen bestreitet es deshalb auch dem Prof. Lazarus ganz ausdrücklich, daß die Juden den verschiedenen Völkern an ihrem Nationalgeiste eine Bereicherung zuzuführen hätten. Dagegen wünscht er folgerichtig die gegenseitige Verheirathung zwischen Juden und Christen, damit die Ratzcnuuterschiede ausgeglichen würden, und daß die Jude» anerkennen sollten, „es müsse das Ideal nationaler Assimilation von Geschlecht zu Geschlecht bewußter erstrebt werden". „Denn zu einem Staate gehören, das ist nichts Aeußerliches, Weltliches, sondern es fordert den ganzen Menschen." „Die religiöse Gemeinsamkeit aber", das betont Prof. Cohen noch einmal am Schlüsse, „ist in Wahrheit das kräftigste, das wirksamste Bindemittel für eine innige nationale Verschmelzung", und hofft, daß Juden und Christen in Deutschland immer mehr einander gegenseitig religiös vorwärts führen würden; wir werden aber nicht irren, wenn wir sagen, daß er dies etwa in der Richtung unseres heutigen Protestantenvereins meint, welcher die Gottheit Christi geopfert hat. Nach alle dem müssen wir es mit hoher und dankbarer Freude begrüßen, daß ein Mann aus der Mitte der Judenschaft heraus mit so großem sittlichen Ernste die Folgen dessen zieht, daß er und die Seinen Mitglieder des Volkes sein wollen, an dessen Rechten und Leben sie allzumal betheiligt sein wollen. Fort und fort haben alle ernsten Christen in jeder Nation behauptet, daß es nur dann möglich sei, eine nationale Gemeinschaft zwischen den Juden und dem Volke des Landes, das beide bewohnen, herzustellen, wenn es zu einer religiösen und natürlichen Vereinigung und Verbindung zwischen ihnen kommt. Bon nun an können Judsn es denn auch nicht mehr als Intoleranz und Reaktion zurückweisen, wenn eine dahin lautende Forderung an die Inden gestellt wird, die als Glieder des deutschen oder sonst eines Volkes betrachtet zu werden verlangen. Aus ihrem eigenen Lager liegt jetzt das Bekenntuiß vor, daß dies für solchen Fall gefordert werden müsse. 5*

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