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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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65 Gewiß ist dieser Einfluß deutschen und speciell evangelischdeutschen Christenthums auf die Juden, seit Mendelsohn's Tagen zumal, eine geschichtlich nicht abzuleugnende Thatsache. Wir haben oft genug gegen den modern jüdischen Anspruch, als sei die jüdische Religion zur Weltreligivn bestimmt, darauf hingewiesen, daß vielmehr das Judenthum auf seiner ganzen Linie in Folge des mächtigen Einflusses, den die christliche Umgebung auf dasselbe ausübt, seinen ganzen religiösen Eigenbesitz allmählig verliere. Wir sehen auch viel häufiger als jemals früher Juden durch den religiösen Inhalt zumal der evangelischen Kirche angezogen werden und sich derselben anschließen. Wir sind ebenso fest überzeugt, daß gerade die evangelische Kirche in der Folgezeit, und je mehr sich die Synagoge des Glaubens entleert, noch mächtigere Wirkungen auf viele jüdische Gemüther, welche etwas Besseres als bloße Cultur verlangen, ausüben wird. Und insofern bestätigen wir auch das Wort Prof. Cohen's, daß sich die Juden nach der Richtung des deutschen Protestantismus hin entwickeln. Leider hat dasselbe auch darin noch seine Wahrheit, daß unter den Juden der zerfahrene Subjektivismus und die im Protestantismus so vielfach hervortretende Willkühr des Einzelnen hinsichtlich aller religiösen Dinge nur gar zu viele Nachahmer finden, und die Schüler den Meister bereits übertreffen. Aber der Grundgedanke des Protestantismus, aus welchem er allein geboren ist, daß der arme Sünder nur aus Gnaden durch das Verdienst des menschgewordenen Gottessohnes gerecht und selig werden, und daß ihm allein die Schrift den Weg hierzu zeigen kann, darf blos genannt werden, um es klar zu machen, wie fremd und innerlichst geschieden protestantischer und jüdischer Geist einander gegenüberstehen. Prof. Cohen verdient nun die lebhafteste Anerkennung, daß er im Gegensätze zu allen seinen Stammesgenossen es gewagt hat, die Judensrage in ihrem tiefsten religiösen Grunde zu untersuchen. Er wollte Gerechtigkeit üben und wollte bis auf die Wurzeln dessen, was nun bereits Jahrhunderte lang Juden und Christen geschieden hat, dringen; er verwirft alle Phrasen, und daher auch diejenigen, mit welchen Collegen von ihm, Professoren, wie Lazarus und Breßlau, so weittragende Gegensätze abthun wollten. Er stellt grundsätzlich die religiöse Frage als die entscheidende für diese Volks- und Staatsangelegenheit in den Vordergrund, und sein 5

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