Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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64 „Für die jüdische Minderheit des deutschen Volkes ergiebt sich die Nothwendigkeit: der religiösen Gemeinschaft ihres Volkes sich angehörig zu bekennen nnd zu erweisen." Und er fährt fort: „Es ist eine falsche liberale Schablone, welche leider von vielen Juden angenommen worden ist, daß die religiöse Form ein politisch Indifferentes sei, um das sich der Staat nicht zu kümmern habe .... Eine Nation, welche ihr staatliches Dasein gründen und festigen will, hat für ihre religiöse Grundlage zu sorgen. Was zu einem Volke gehören will, muß an dieser gemeinsamen Grundlage Antheil haben." Ja, er unterschreibt den Satz Treitschke's als ganz richtig: „Das Bestehen mehrerer Religionen innerhalb einer Nationalität kommt wohl als ein Uebergangsstadium vor; auf die Dauer ist cs, wie die Geschichte aller abendländischen Culturvölker lehrt, nur da möglich, wo eine Religion die Regel bildet, die Andersgläubigen die Ausnahme, die verschwindende Minderheit". Prof. Cohen führt sodann aus, daß sich von dieser Gemeinsamkeit aus allerdings, ohne Schädigung der einmüthigen nationalen Gesittung, confessionelle Unterschiede bilden können; aber, obwohl das allerdings seine Richtigkeit hat, und eben deshalb die Christen eines Landes, wenn sie gleich verschiedenen Kirchengemeinschaften angehören, immerhin ein gemeinsames Staats- und Volksleben zu führen vermögen, so widerstrebt doch der Religionsinhalt von Christenthum und (nachchristlichem) Judenthum einander zu tief, als daß eine solche religiöse Gemeinsamkeit zwischen beiden bestehen könnte. Jener jüdische Gelehrte will übrigens noch besonders Nachweisen, daß sich die religiöse Entwickelung der Juden und zumal der deutschen Juden in der Richtung des deutschen Protestantismus bewege. Erst dieser habe die Juden nach der arabisch-spanischen Periode wieder für die Entfaltung eines universalen Culturlebens befähigt, und zwischen ihm und dem jüdischen Geiste bestehe also eine sichtliche Verwandtschaft. Er bekämpft auch den jüdischen Prof. Lazarus, welcher nicht zugeben will, daß es eine deutsche Religion gebe, und welcher das Judenthum in demselben Sinne deutsch nennt, wie das Christenthum. „Im Ernste wird Lazarus nicht bezweifeln, daß das deutsche Volk und wir Juden mit ihm aus der Cnltur des Christenthums athmen."