Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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63 die höchste Verbindung von Gott und Mensch vorzustellen, und läugnct ausdrücklich, daß sie die wirkliche Wahrheit ausspreche, daß Christus ewiger Gott beim Vater war, hernach aber Mensch geworden sei. Prof. Cohen's weitere Ausführungen beruhen nun vollständig auf dem Fundamente, daß Judenthum (d. h. das gegenwärtige und nachchristliche) und Christenthum, weil sie im Grunde dieselbe Lehre von Gott besäßen, als Religion einander wesentlich gleich wären. Hierauf erbaut er Alles; stürzt dieser Hauptsatz, dann stürzt natürlich das ganze Gebäude. Nun hält die evangelische Kirche ja aber auch mit der gesammtcu christlichen Kirche aller Zeiten einen dreieinigen Gott von Anfang bis heute fest; sie steht hier dem Judenthum nicht um ein Haar breit anders als die römische Kirche gegenüber, und betrachtet mit letzterer die Lehre von dem dreieinigen Gott als den Kern und Stern, als das Fundament und den Mittelpunkt ihrer Religion. Selbst unter außerordentlich freidenkenden Christen hat denn auch diese Lehre und die Lehre von dem Mittler Jesus Christus, wiewohl sie von ihnen nicht in der kirchlichen Weise anerkannt wird, das ganze Denken auf's Durchgreifendste bestimmt. Die Folge aber ist die, daß innerhalb der gesammten Christenheit tatsächlich alle religiösen Anschauungen von der Wurzel aus andere Bahnen als im Judenthnm einschlagen, und eben deshalb an jenem für Prof. Cohen so entsetzlich klingenden Worte v. Treitschke's: „daß wir (deutsche) Christen in den höchsten und heiligsten Fragen des Gemüthslebens grundverschieden von den Juden denken" nicht das Geringste abzumindern geht. — Um so wichtiger und entscheidender ist nun aber für uns, was jener Gelehrte über die Alles bestimmende und völlig den Ansschlag gebende Bedeutung einer einzigen Grundreligion für jedes Volks- und Staatsleben sagt. Deutlicher hat es eigentlich wohl kaum je ein Jude selbst von seinem Standpunkte aus anerkannt, daß zur Einigung zwischen den Juden und den christlichen Völkern die unerläßliche Bedingung die Bekehrung der Ersteren zum Christenthum sei. Denn ist der Gedanke, daß evangelisches Christenthum und Judenthum im Wesentlichen eine Religion seien, ein vollständiger Jrrthum, dann bleibt auch nach Prof. Cohen nichts anderes für die Juden, wenn sie zu unseren christlichen Nationen gehören wollen, übrig, als eben zur christlichen Kirche überzutreten. Derselbe schreibt: