Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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62 täuschung: „daß er in dem wissenschaftlichen Begriffe der Religion zwischen dem israelitischen Monotheismus (der Lehre von der einzigen Person Gottes) und dem protestantischen Christenthum keinen Unterschied zu erkennen vermöge." Das Evangelium vom Gottessöhne verwirft er durchaus, eine wirkliche Menschwerdung Gottes sei nicht möglich, aber er meint, daß alle Christen dies anerkennten und daher Israeliten seien; wer die Idee des Einen Gottes bekämpfe, sei daun auch zugleich Feind des Christeuthums und Gegner des Judenthums. Man sieht, wie völlig unfähig auch dieser in der That ausgezeichnete jüdische Gelehrte ist, die christliche Gotteslehre zu fassen, und wie er die jüdische Auffassung von Gott so sehr zur allgemein giltigen erhebt, daß er dem Christenthum zudictirt, es müsse dieselbe auch haben, während dasselbe doch grundsätzlich eine andere bekennt. Aber um so schlagender bestätigt er dann nur die Richtigkeit aller christlichen Gedanken und das insbesondere, was wir vorher über die Stellung der Juden in einem christlichen Volke gesagt haben, durch seine weiteren Auslassungen zu dieser Frage. Prof. Cohen erkennt zunächst freilich auch einen Fortschritt des Christenthums über das Judenthum hinaus an; er giebt zu, daß sich durch die Humanisirung oder Vermenschlichung des Göttlichen, wie es im Christenthume gelehrt werde, die Ableitung des Sittengesetzes besser begreifen lasse. Der Mensch liebe Gott mehr, wenn ihm, während er ihm sonst ein Unbekannter bleibe, sein Wiederschein, und das ist auch nach Prof. Cohen Christus, begegne. „Diese Art Christenthum", die das Göttliche erst da recht versteht, wo cs uns aus dem Menschlichen oder im Menschlichen eutgegentritt, sagt jener Gelehrte, „haben wir modernen Israeliten alle, wir mögen es wissen oder nicht." Allerdings habe nun wohl die messianische Verheißung, welche das Judenthum enthielt, schon immer auf das sittliche Ideal des Menschengeschlechts hingewiesen, aber erst das Christenthum habe dieses Ideal in seiner ganzen Vollendung aufgefaßt, indem es sich das Göttliche mit dem Menschen auf's Innerlichste verbinden ließ. Prof. Cohen erkennt die christliche Lehre vom Gottessöhne für einen Versuch, die innere Verbindung von Gott und Mensch zur Darstellung zu bringen, an und meint, daß hierdurch das Christenthum das Judenthum übertreffe; aber er hält diese Lehre eben nur für einen menschlichen Versuch, sich