Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Nationalgeist in's Feld: vor der Gefangenschaft gegen das heidnische Gelüsten desselben, nach der Gefangenschaft gegen den selbstgerechten, trotzigen Pharisäersinn und gegen die nationale Selbstvergötterung, die unter dem Israel der letzten Propheten und im Buche Esther schon so deutlich hervorzutreten beginnen. Zurück znm alten Gotte der Christenheit und zu seinem Evangelium, das müssen ähnlich heute alle wahren Freunde ihres Volkes, und d. h. eben diejenigen, welche es. im Sinn der Propheten sind, unserem Volke zurufen. Nicht, daß unser öffentliches und volkliches oder staatliches Leben die äußere Gestalt der früheren Tage wieder anzunehmen hätte, das Christenthum kennt ja nicht bleibende und für immer festgesetzte Formen, sondern daß es wieder unser innerstes Grundgesetz werde: unser Volks- und Staatsleben sollen alle ihre Kraft und all' ihr Wirken und alle ihre Ziele in Christo suchen, sollen deshalb aber auch grundsätzlich wieder zu ihm zurückgeführt werden. An einem solchen Bau können jedoch Juden nicht thätig Mitwirken. Gedanken solcher Art zu äußern, erscheint nun freilich Vielen in unseren Tagen fast wie ein Verbrechen und jedesfalls als Fanatismus, vielleicht auch als Verrücktheit — das war aber nicht anders, wenn die Propheten oder die Apostel ihrem Geschlechte entgegentraten; und doch war, wie es die Zeiten hernach noch ein jedesmal bewiesen haben, die göttliche Thorheit weiser als der Menschen Weisheit. Was uns diesmal jedoch, indem wir solche Ueberzeugungcn äußern, mit besonderer Freude erfüllt, ist der Umstand, daß in dem gegenwärtig entbrannten Kampfe soeben ein jüdischer Gelehrter Herr Dr. H. Cohen, ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Marburg, in einer kleinen Schrift „Bekenntniß in der Jndenfrage" (Berlin, Dümmler 1880) Ansichten äußert, die im Grunde Alles bestätigen, was wir an dieser Stelle geschrieben haben. Freilich ist Professor Cohen weit davon entfernt, die christliche Lehre von Gott als die richtige anzuerkennen, er steht vielmehr für die jüdische ein und hält auch daran fest, daß die Juden ihren Monotheismus so lange als besondere Religionsgemeinschaft festzuhalten hätten, bis derselbe in jener reinern Form des Christenthums, von welcher Prof. Treitschke geredet habe, allgemein anerkannt wäre. Er tröstet sich indeß, dies aber allerdings in Selbst-