Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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60 genießen, aber das Leben des jüdischen Volkes selbst sollte sich ganz allein nach den Weisungen und Bestimmungen des Wortes der Offenbarung richten- und nirgends, ja auch im Kleinsten sollte dasselbe nicht durch die Rücksicht gegen die Nichtjuden in seiner eigenen Gestaltung bestimmt werden. Aus einem einheitlichen Geiste sollte vielmehr Alles in Israel erfließen und Alles den Stempel tragen, daß es zur Ehre Jehovahs geschähe. In den christlichen Zeiten haben die Völker nun freilich nicht ihr Leben nach ein für alle Male festgesetzten Bestimmungen und Gesetzen zu führen, wie die Juden, die durchaus die Gesetzgebung vom Sinai so lange befolgen sollten, bis Gott selbst ihnen einen neuen Bund bereiten würde, und die bis dahin an den alten Gesetzen nichts ändern, zu ihnen nichts hinzufügeu und von ihnen nichts abthun sollten. Die christlichen Völker haben vielmehr das Recht, nach Zeit, Ort und Geschlecht ihre Gesetze und Ordnungen vollständig frei zu bestimmen; aber in Einem sind sie ebenso gebunden wie Israel, nämlich darin, daß ihr gesammtes Leben durchaus und völlig von dem einen Gedanken beherrscht sein soll, den Dienst Christi als ihres Königes zu treiben und in ihrer Zeit wie an ihrer Stelle einen Theil seines Reiches darzustellen. Das Erwachen der Judenfrage bei uns bedeutet denn auch eine allmählige Ernüchterung von dem Rausche, in den uns der Rationalismus, der Humanismus und die französischen Ideen von 1789 versetzt haben. Die Ernüchterung ist bei Weitem noch nicht eine vollständige, und die Meisten gleichen hierbei überdem noch Leuten, die sich zunächst sehr ungeberdig stellen, aber allmählig wird man klarer und fühlt immer mehr, daß ganz allein die Rückkehr zum Christenthum der Bibel und das Verlassen des modernen Humanismus mit seinen wechselnden Cultur-, Zeit- und Modeideen unserem Volke wie jedem Volke das Heil verbürgt. Zurück zum alten Gott und zu seinem Gesetze, das war der Inhalt dessen, was die Männer Gottes im Alten Testamente unaufhörlich ihrem Volke zuriefen, obwohl sie damit gar sehr unzeitgemäße Gedanken aussprachen. Dieselben haben auch niemals die Gunst der großen Menge genossen, sondern stets zu ihr im Gegensätze gestanden; der semitische Geist ihres Volkes widersprach ihnen vom Anfänge bis zum Ende, aber sie führten trotzdem unaufhörlich den Geist Jehovahs gegen jenen semitischen Natur- und