Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554863--07371-2563384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

59 Aus diesen Gründen wissen wir einem Manne wie Prof. v. Treitschke, auch wenn derselbe noch nicht bis zu einer vollen und klaren Erkenntniß des Gottessohnes und bis zu einer vollen Würdigung und Verständniß des Evangeliums hindurchgedrungen ist, herzlichen Dank, daß er, in Wahrheit Juden und Christen gleichermaßen zum Heile, sein einflußreiches Zeugniß erhoben hat, damit wir das Christenthum wieder als den Quell aller unserer Kraft erkennen lernen möchten. Und ebenso danken wir jenen ausgesprochen gläubigen Männern wie einem Hofprediger Stöcker, die, obwohl wir auch von ihnen noch viel mehr Barmherzigkeit für die Juden fordern müssen, doch darin die völlig richtigen Wege eingeschlagen haben, daß sie unser Volk aufrufen, zu erwachen, auf seinen christlichen Beruf sich zu besinnen und wieder in den Dienst des menschgewordenen Gottessohnes mit seinem ganzen Leben zu treten. Auch den Juden in unserer Mitte kann in der That nur dann ein Heil erwachsen, wenn dies geschieht. Und so ist auch das allein rechte Liebe, nämlich nicht eine Liebe nach der Weise Elis, der seine Söhne verkommen ließ und selbst den Hals brach, sondern eine Liebe nach der Art des Paulus, der schreibt: „Die Liebe sei nicht falsch, hasset das Arge und hanget dem Guten an", wenn man mit solchen Gedanken in der Judenfrage Stellung nimmt. Freilich ist es unseren Juden fast nur sehr unlieb und erscheint ihnen geradeswegs abscheulich, daß es überhaupt noch Gegenstand der Besprechung werden soll, welche Stellung sie innerhalb eines christlichen Volkes einzunehmen hätten; aber deshalb darf diese Frage nicht schweigend übergangen werden. In der Zeit des Alten Testaments ist von den Männern, die Gott dem Volke Israel zu Führern gegeben hatte, und von den Propheten fort und fort die Frage in den Vordergrund gestellt worden, wie denn das gesammte Leben der Nation in allen seinen Beziehungen, Ordnungen und Verhältnissen dem geoffenbarten Gottesworte entspräche, und welche Stellung die Angehörigen anderer Religionen in einer Nation und in einem Staatsleben, das doch ein Dienst Jehovah's sein sollte, einzunehmen hätten? Nichts aber ist damals strenger gerichtet worden, als daß sich Israel fortwährend dem Einflüsse der anderen Völkerstämme, die in seinem Lande wohnten, ergab. Soweit dieselben nicht durch besondere göttliche Verfügung zur Ausrottung bestimmt waren, sollten sie freilich Gastrecht und herzliche Liebe unter Israel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.