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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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58 gam katholisch, die Braut reformirt, und beide Brautleute ebenso wie der Geistliche selbst Proselyten waren. Männer wie ein Lichtenstein aber zeigen es so recht klar, was der lebendige Heilandsglaube aus Juden machen kann, und wie dieser Glaube zugleich das wahrhaft einigende Band zwischen den Juden und ihrer Umgebung wird, wie dieser Glaube sie zu solchen Wohlthätern ihrer Umgebung umwandelt, daß sie derselben ewige Gaben und Güter bringen, wie dieser Glaube sie aber auch gegen die Ihrigen nicht gefühllos oder feindlich stimmt, sondern wie derselbe sie vielmehr lauter Frieden hin und her stiften läßt. Von einem Lichtenstcin darf man sagen, daß sein Name ihn selbst bezeichnet habe, und daß von ihm das Wort Daniels über das Leuchten der Lehrer der Gerechtigkeit gilt: „Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so Viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich". Ein jüdisches Selreirntniß in der Indenfrage. Wir stehn gegenwärtig ja in Deutschland mitten in einer lebhaften Erörterung „der Judenfrage". Daß cs überhaupt zu einer solchen gekommen ist, müssen wir mit besonderem Danke begrüßen. Denn es war unnatürlich, daß tief innerliche Gegensätze in der Oeffentlichkeit verschwiegen wurden, und es ist ein wirklicher Fortschritt, daß man die Gegensätze nicht blvs fühlt, sondern auch ausspricht. Nicht, daß man die Art, wie sich nun diese Stimmen äußern, überall billigen könnte; es werden vielmehr aus dem christlichen Lager heraus gar manche unchristliche Gedanken laut; aber wir hätten an der Zukunft unseres Vaterlandes und Volkes verzweifeln müssen, wenn man das gegenwärtige Verhältniß von Juden und Christen in unserem Volks- und Staatsleben als das rechte und richtige stillschweigend hätte dahingehn lassen. Geschah dies, dann hatten wir unzweifelhaft unsere geschichtliche und das heißt christliche Ausgabe vergessen, dann gingen wir unaufhaltsam dem Gerichte entgegen und dann übten wir auch an den Juden nicht das Werk aus, welches uns Gott für die Zeit, so lange ein Theil derselben noch unter uns wohnt, an ihnen aufgetragen hat, sondern zogen sie mit uns in das Verderben hinab, gleichwie sie auch selber unser Verderben immer mehr beschleunigten.

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