Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 ihm selber; leben wir, so leben wir dem HErrn, sterben wir, so sterben wir dem HErrn". „Und so hat er oftmals im Hospital gleich dem Aaron zwischen den Lebendigen und den Tobten, die von der Plage berührt waren, gestanden; ja, er hat wohl neben einem Tobten oder auf einem solchen gekniet, um den in den letzten Zügen Liegenden das Abendmahl zu reichen und die Sterbenden mit dem Verdienste des HErrn Jesu Christi zu trösten." Mit ebenso großer Sorgfalt besuchte er die Gefangenen und stärkte sie in ihren Leiden und Anfechtungen, „daß kein Thurm und Gefängniß in Frankfurt ist, die er nicht verschiedene Male erstiegen hat". Gegen die Armen war er besonders barmherzig und hat ihnen, zumal wenn sie krank daniederlagen, viel Gutes gethan. Gegen seine Amtsbrüder war er stets gefällig und zur Hilfe bereit; oft hat er bei den vielen Vertretungen, die er für sie übernahm, Tag für Tag zwei bis drei Predigten gehalten, und er that das alles mit herzlichster Bereitwilligkeit. Sein erstes Amt am Hospital verwaltete er 6 Jahre, die 10 folgenden war er Nachmittagsprediger zu Sachsenhausen, 10 Jahre auch Nachmittagsprediger an der Barfüßerkirche, von 1657—1677 Sonntagsprediger zu St. Catharinen und Dinstagsprediger an den Barfüßern, letzteres noch länger, obwohl er die Dinstagspredigten hernach nicht mehr regelmäßig hielt; wegen seiner besonderen Treue daun aber wieder, im Ganzen 22 Jahre, Donnerstagspredigcr am Hospital. An den Barfüßern hat er seine letzte Predigt gehalten, und dies 14 Tage vor seinem Ende. Mitten in dieser Predigt überfiel ihn ein Frost, der ihn heftig schüttelte; seine Zuhörer bemerkten dies und erkannten sogleich, daß sie ihn Wohl das letzte Mal gehört haben würden. Am Dinstag, den 7. Februar 1682, entschlief er fast unvermerkt „ohne sonderbares Wahrnehmen der Umstehenden und ohne einige Todesgeberden" in einem Alter von 75 Jahren, 10 Monaten, 12 Tagen, und nachdem er fast 48 Jahre sein Amt verwaltet hatte: „ein Licht, das sich selbst verzehrte", sagt sein Nachruf. Seiner Brüder nach dem Fleisch hat er nie vergessen, sondern mit aller Treue und Ernst ihr Heil gesucht. Es wurde ihm auch die Freude zu Theil, nicht weniger als 22 derselben unterrichten und zur Taufe befördern zu dürfen. Im Jahre 1681 traute er, bereits als 75jähriger Greis, ein Ehepaar, von dem der Bräuti-