Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Süßkind Mayer oder Meyer, in der Taufe hernach genannt Georg Philipp Lichtenstein, ist am 26. März 1606 geboren. Sein Vater Mayer führte den Beinamen „Zur goldenen Kanne" nach dem Hause, in welchem er wohnte. Seine Handelsgeschäfte führten den Vater vielfach in Berührung mit ernsteren Christen, und die Gottesfurcht eines Kaufmanns insbesondere machte auf ihn einen tiefen Eindruck. Es kam zwischen dem Juden und diesem Christen des Oefteren zu religiösen Gesprächen, und die liebevolle Weise, in der ihm hierbei begegnet wurde, berührte Mayer auf das Wohlthuendste. Auch christliche Gesänge und besonders diejenigen, die er von dem Sängerchor vor den Häusern singen hörte, drangen ihm in's Herz, so daß ihm das Christenthum ans der einen Seite immer anmuthiger erschien und auf der andern immer mehr als eine Kraft, das ganze Leben eines Menschen zu heiligen, offenbar wurde. Mayer sah sich über dem allem in seinem Gemüthe hin und her gezogen; hier wollte ihn die alte Gemeinschaft halten und dort gebot ihm sein Gewissen, der Stimme der Wahrheit, die ihm keine Ruhe mehr ließ, zu folgen und Christum zu erwählen. Er wurde darüber voll Unruhe und Zagens, und oft, wenn er bereit war, den wichtigen Schritt zu thun, machte er die Erfahrung, daß sein Geist wohl willig, aber sein Fleisch schwach war. Insbesondere hielt ihn seine Frau Brendel zurück, die nichts von dem Sinn ihres Ehemannes in sich trug und denselben auch nicht in sich wecken ließ, sondern entschlossen war, in jedem Falle Jüdin zu bleiben. Aber nicht lange nach der Geburt seines jüngsten Sohnes kam es bei Mayer nun doch zur Entscheidung, damit jedoch freilich auch zu einem Kampfe, in dem er vor die Wahl gestellt wurde, sein geliebtes Weib zu opfern oder bei der Synagoge zu verbleiben. Mayer bestand diese Probe, aber verlor damit auch wirklich seine Frau. Und nun gab es noch einen harten Streit. An einem Freitage hatte Mayer, vom Geiste Gottes ergriffen und getrieben, sich aufgemacht, um von den Predigern christlichen Unterricht und die Taufe zu erbitten. Er nahm hierbei seine 6jährige Tochter Sarah und seinen 4jährigcn Sohn Joseph mit sich, Süßkind, den jüngsten Sohn, aber hielt die Mutter zurück und gab ihn, trotz aller Bitten, an ihren Mann nicht heraus. Der Vater wandte sich endlich an die