Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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49 Verfolgungen in Abessinien. Aus Abessinien kommen wieder sehr schmerzliche Nachrichten. Die jungen evangelischen Gemeindlein gehn schweren Tagen entgege oder befinden sich schon mitten in denselben. Miss. Flad in Kornthal theilt uns zunächst folgenden Brief des Or. Reinisch aus Keren in Bogos vom 17. Dccember 1879 an Dr. Krapf in Kornthal mit, den wir an dieser Stelle folgen lassen: „Meinem Versprechen zufolge gebe ich Ihnen, wenn auch etwas spät, Nachricht von uns. Wir befinden uns seit Oktober hier in Bogos, und ich habe während dieser Zeit bereits sehr hübsche wissenschaftliche Resultate in Linguistik erzielt. Ich habe die Sprache der Bischawis, ferner das Tigre und das Tigrinna neu ausgenommen und reiche Materialien hierzu gesammelt, in zwei Sprachen, Soho und Bilia, aber ergänzende Studien angestellt. Auch fand ich hier einen abessinischen Mönch aus Sokota in Last«, von dem ich einige Texte zum Agau von Last« erzielte, so daß ich auch diese Sprache, zu welcher ich schon auf der früheren Reise umfassende Materialien in Grammatik und Bocabular sammelte, nun gut zu bearbeiten in der Lage bin. Unser Leben ist im Ganzen recht angenehm, das Ländchcn, in dem wir leben, ist prachtvoll, der Himmel wunderschön, die Leute aber lassen allerdings viel zu wünschen übrig. Die ägyptische Regierung hat, man muß cs anerkennen, in diesem Lande in verhältnißmäßig kurzer Zeit große Resultate erzielt. Da, wo früher Raub und Mord an der Tagesordnung war, ist Leben und Eigenthum gut gesichert, und man reist überall sicher im Lande. Leider fürchte ich, daß die von Aegypten unter Munzinger Pascha okkn pirten Provinzen Abessiniens bald wieder zu diesem Reiche gehören werden, da Aegypten, ohne einen glücklichen Krieg mit Abessinien zu führen, diese Provinzen nicht behaupten kann. Die Abessinier haben in den letzten Monaten Bogos, Halhal, Maria, Biedschuk, Mensa und das Barka rein ausgefrcssen, indem sie wie Henschrcckenschwärme einfielen. Die ägyptische Miliz ist hier numerisch zu schwach, energischen Widerstand zu leisten. Für die Missionare, protestantische wie katholische, sind dermalen gar keine Aussichten. Der König Johannes, ganz von abessinischen umgeben und geleitet, ist ein religiöser