Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554863--07360-2563373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 immer fühlbarer macht, so nicht minder der Segen, welcher von der Bekehrung der Juden ausgeht. Die Judenfrage soll die Mission gerade mit ihrem doppelten Angesicht innerhalb der Kirche deuten lehren; so wie es Paulus gethan hat, der die Römer in seinem Briefe (Kap. 11) ans die Juden hinweist und sie an denselben den Ernst der Gerichte Gottes, seine Langmuth und Erbarmung, die Größe seiner Gnadengedanken und seiner Treue erkennen heißt. Die heutige Mission hat hier eine ungemein bedeutsame Aufgabe auszurichten. Erfüllen wird sie dieselbe freilich nur, wenn sie mit Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Linken streitet, so daß sie weder die Sünde der Christen noch die der Juden mit anderem Namen, als daß sie Sünde ist, bezeichnet. Das Gewissen der Kirche wird sie auch nur dann in dieser Frage wecken, wenn sie nicht selbst Partei wird, und wenn sie das gleiche Herz für die immer tiefer in ihr Verderben hinabstürzenden Juden wie für die durch Juden um ihr Heiligstes bedrohten Christen zeigt. Denn das ist ja freilich wahr und macht die Aufgabe der Mission innerhalb der Kirche gegenwärtig so ungemein wichtig und ernst, daß dem Christenthum im Judenthum unserer Tage ein Saulus erwächst, der es viel ärger treibt als der erste Saulus. Jener Saulus verfolgte ja allein die Christen aus den Juden und wollte die Kirche nur in der Mitte der Judenschaft zerstören; das heutige Judenthum hingegen läßt sich daran nicht genügen, das Christenthum von der eigenen Gemeinschaft ferne zu halten, sondern sucht die christlichen Staaten und Völker zur grundsätzlichen Vernichtung ihres christlichen Wesens und Charakters zu bewegen — für diesen Zweck kein Mittel scheuend und in solchem Kampfe alle christliche Gedanken als Finsterniß, Heuchelei und Barbarei verfolgend. Es wird allein auf die Judenmission ankommen, ob sie die Größe ihrer Ausgabe in diesen ihren Tagen erkennt, und ob sie sich damit die Kirche zum rechten, tiefsten Danke verpflichtet. Aber darum muß sie freilich zunächst selbst im Geiste wachsen und nirgends als eine Dienerin der Bien scheu, sondern stets als eine Dienerin des Herrn an den Menschen austreten.