Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1880-01-01 · 3-4 (1880) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
3-4 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554860-2554863--07358-2563371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 man sie nur mit allerlei Interessantem beschäftige, wo doch ans Erweckung des Sündergefühls vor Allem hinzuwirken wäre; daß man die nationale Aufgabe Israels, welche lediglich eine Sache der Zukunft ist und mit dem Seligwerden nichts zu thun hat, im Missionsverkehr mit den Juden oft völlig vorzeitig betone, und die Hauptsache, „die Buße, der Glaube und das Gericht", eben deshalb zurückträten; daß die heutige Missionslitcratur den Anforderungen, die an sie billigerweise zu stellen seien, zumeist keineswegs entspreche, daß es auch nicht an vieler Schönfärberei in den Berichten fehle u. s. w. Gewiß ernste Schäden und Gebrechen, die dringend der Abhilfe bedürfen! Aber alles dies beweist eben nur, daß der Zusammenhang zwischen Kirche und Mission ein lebendigerer werden, und man so die letztere in den Stand setzen muß, die falschen und einseitigen Richtungen in ihrer Mitte klarer zu erkennen und erfolgreicher zu bekämpfen. Hat sich doch schon das Zusammenwirken in den bisherigen engeren Grenzen als so segensreich nach allen Seiten hin erwiesen, daß man eben davon Veranlassung nehmen sollte, hier weiter fortzuschreiten. Je dankbarer aber die Mission jede derartige Sorge der Kirche um ihr wahres Wohl aufnehmen wird, desto mehr werden dann auch der Kirche wieder die Freudigkeit und der Muth wachsen, ihrer Gehilfin in Treue beiznstehn. — Die Mission soll es sich insbesondere jedoch auch angelegen sein lassen, die Zuversicht zu der Arbeit an den Juden in der Christenheit zu erhöhen. Oft wird sich die Kirche ihrer Macht an den Juden durchaus nicht recht bewußt; sie nimmt zu leicht nur die geschlossene jüdische Volksmasse sich gegenüber wahr und glaubt darüber, daß sich unter den Juden nichts ändere. Um so mehr mag aber die Mission darauf Hinweisen, wie bedeutsam der Einfluß der Kirche und der christlichen Umgebung auf die Judenschaft sich geltend macht, seitdem dieselbe in das gesammte öffentliche Leben der Christen mit eingetreten ist. Außer der apostolischen Zeit hat in der That keine andere die Geistesmacht des Christenthums auch den Juden gegenüber so sichtbar zu Tage treten lassen, als dieses Jahrhundert, welches die Juden in das allgemeine christliche Leben hereingeführt hat. Der jüdische Professor der Philosophie Di'. H. Cohen an der Universität zu Marburg hat jüngst „Ein Bekenntuiß in der Judenfrage" erscheinen lassen, welches in mancher Beziehung und be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.