Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 3-4 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554863--07357-2563370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
45 Kreises der Judenmissionsfreunde in der Kirche hat diese Mission durchaus noch nicht darauf zu rechnen, auch nur in gläubigen Kreisen überall' als Fleisch von ihrem Fleische anerkannt zu werden. Theils die natürliche Antipathie gegen die Juden, theils die Erkenntniß der von ihnen auf das christliche Volk ausgehenden Gefahren, theils eine falsche Auffassung von der gegenwärtigen Verstockung des Volkes Israel, die man trotz aller Worte des Herrn und seiner Apostel auch auf die einzelnen Juden anwendet, lassen viele gläubige Geistliche und Laien noch immer nicht dazu kommen, sich auf ihre christliche Pflicht den Juden gegenüber zu besinnen. Ueberdcm stößt man sich gern an den Fehlern der Mission, um sich auf diese hin die Last der Arbeit abzuwälzen. Aber hier gälte vielmehr das Wort: „Der Gerechte schlage mich freundlich und strafe mich, das wird mir so wohl thun, als ein Balsam auf meinem Haupte". Wie sollte es denn auch anders sein, als daß die Mission au den Folgen der Jsolirung leidet, in die man sie noch zu vielfach versetzt. Gewiß haben sich darüber in dem Werke Gebrechen eingeschlichen, die vielleicht eher vermieden worden wären wenn eine beständige Ausgleichung und Erziehung durch die allgemeine Kirche stattgefundcn hätte. Der Mission steht es am allerwenigsten an, während sie gerade vor Allem mit dem Pharisäerthum zu kämpfen hat, die Vorwürfe, die man ihr macht, so leicht und schnell abzuweisen. Man wirft ihr vor, und das wollen wir uns recht zur Mahnung werden lassen, daß in der Auswahl der Missionare oft große Mißgriffe geschehen seien; daß man insbesondere die Mahnung des Apostels, einen Neuling nicht sobald zum Aeltesten zu machen, in vielen Fällen übersehen und gar manchen Proselyten, dem es durchaus an der christlichen Erziehung und Erfahrung mangelte, ihm selbst und der Sache zum Schaden als Missionar ausgesandt habe; daß andere derselben gar zu einseitig seien, und es ihnen nicht selten an jener Bildung fehle, deren Fehlen gerade auf diesem Gebiete nur dann nicht tiefer empfunden wird, wenn sie durch einen ausgesprochenen christlichen Character ausgewogen wird; daß eine ganze Zahl der gegenwärtigen Missionare den Juden gegenüber einen weichlichen Ton anschlagen und Alles bei ihnen beschönigen; daß viel zu viel aus den Verstand der letzteren hingewirkt werde und zu wenig auf ihr Gewissen; daß der Verkehr zwischen Missionare» und Juden oft in ein Disputireu ausarte, oder