Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 zerstört, die Opfer sind abgethan, das Blut der Versöhnung fließt nicht mehr. Gebet und Wohlthätigkeitsübungen, die man Gott bietet, fordert derselbe gewißlich, aber er fordert mehr, fordert nach Moses Gesetz Liebe von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe und von allen Kräften, fordert Vollkommenheit und Heiligkeit, wie er selbst vollkommen und heilig ist, und setzt dann drohend hinzu: Verflucht ist, wer nicht hält alle Gebote, daß er danach thue! Darum bleibt es bei dem, was Jehovah selbst durch den Propheten Jesaia 43, 32 fl. spricht: „Nicht daß du mich gerufen hättest, Jakob, oder daß du um mich gearbeitet hättest, Israel . . Ja mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht in deinen Missethaten. Erinnere mich, laß uns mit einander rechten; sage an, wie du gerecht sein willst. Deine Voreltern haben gesündigt, und deine Lehrer haben wider mich mißhandelt. Darum habe ich die Fürsten des Heiligthums entheiligt und habe Jakob zum Baun gemacht und Israel zum Hohn." Und nun wartet auf die Juden der Tod, darnach aber das Gericht. Womit wollen sie dann den heiligen Gott versöhnen? Als Rabbi Jochanan Ben Sakai, der Zeitgenosse Jesu und einer der Väter „des Judenthums", auf dem Sterbebette lag und ihn seine Schüler besuchten, weinte er heftig. Sie frugen ihn verwundert: „O Rabbi, Licht Israels, warum weinst du?" Er aber antwortete: „Da ich nun vor dem Könige der Könige, vor dem allein gebcnedeiten Gott erscheinen muß, der in Ewigkeit lebt, der seinen Zorn ewig auf mir lasten, mich in's Gefängniß werfen und das Gefängniß nie aufthun, mich zum Tode verurtheilen und für alle Ewigkeit im Tode bleiben lassen kann, dem ich weder mit Worten schmeicheln, noch mit meinem Gelde bestechen kann, sollte ich jetzt nicht weinen, wo ich zwei Wege vor mir sehe, von denen der eine zur Hölle, der andere in das Paradies führt, und ich nicht weiß, auf welchen Weg ich geleitet werden soll?" Und welche Verzweiflung so oft unter den Juden beim Tode der Ihrigen, welch ein trostloses Klagen und Weinen! Ein gläubiger Christ bekennt friedevoll: „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Jesu Christo zu sein!" Hier ist eine völlige, frohe Gewißheit. Das Christenthum hat ein offenes Grab, das Christenthum