Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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hat einen vollkommenen Sieg über den Tod, das Christenthum hat nicht sündliche Menschen, sondern den gerechten Gottes- und Menschensohn als Fürsprecher am Throne des unbestechlichen Richters. „Wer an den Sohn glaubt, wird nicht mehr gerichtet, sondern er ist aus dem Tode in's Leben hindurchgedrungen." Darum stirbt ein gläubiger Christ so selig, darum geht er so kindlich froh dem Richterstuhle entgegen. Das Grab, die Ewigkeit und der jüngste Tag sind für uns hell, hell im Lichte der Erlösergnade. Das haben wir durch Jesum gewonnen! Und nun, geliebte Mitchristen, schaut Israel an. Es liegt ja überall an unserem Wege und vor unseren Augen, und es blutet aus tausend Wunden, die ihm seine eigenen Seelenfeinde, die ihm aber vielfach auch Christen geschlagen haben. Wir sind ihm gar zu oft nach der Regel: „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Feindschaft um Feindschaft" begegnet. Oder die ihm nicht geradeswegs Leides zugefügt, die nicht seiner Seele geschadet und es äußerlich gekränkt haben, glichen doch gar oft dem Leviten und dem Priester, welche vor dem Blutenden vorübergingen und ließen ihn liegen. Gewiß, es haben auch je und je viele Jünger Christi mit Christi Augen die Zerschlagenen angeblickt, aber von uns Gläubigen haben doch auch zu viele der Barmherzigkeit vergessen, nach welcher der HErr fragen wird. Wir aber tragen das Oel und den Wein bei uns, welche allein solche Wunden zu heilen vermögen; die laßt uns brauchen, auf daß wir dem Gebote dessen Nachfolgen, der uns überall vorangeht und dann zuruft: „So geht auch ihr hin und thut desgleichen!" Wir fordern nicht jene Weichlichkeit, welche nach Eli's Weise Alles beschönigt und Sünde bei den Juden mit einem anderen Namen als Ungerechtigkeit nennt; denn unser Meister Jesus Christus und seine Apostel waren und sind allein Diener der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Wahrheit. Aber ihnen brach das Herz über dem Jammer Israels; und während sie alle seine Schäden ihm aufdeckten, während sie ihm die ganze Tiefe seines Verderbens zeigten, reichten sie ihm die Hand dar, ob es sich nicht doch vielleicht retten lassen wolle. Sie, die es gelockt und geladen hatten, durften auch Israel das „Wehe!" zurufen; wer aber das Erste nicht will, soll von dem Anderen schweigen. Und nun, theure Freunde aus Israel! Wir haben euch in