Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 daß sie ihr gesellschaftliches Leben ohne Jesum Christum bildeten und gestalteten? Wohl nahm man hier oder da Inden auf, um den Handel lebendiger zu gestalten, aber nirgends wurde in dieser langen Zeit das Verhältniß des Zusammenwohnens der Juden und der Anderen auf die Dauer als ein Segen für das sociale Leben empfunden, sehr oft dagegen hat sich ans demselben unsäglich vieles Elend ergeben. Nirgends haben die Juden die Freude an der Arbeit erhöhen, nirgends den Sinn für Mäßigkeit, für Sparsamkeit und wirthschaftliche Tugenden unter der Bevölkerung erhalten und mehren helfen, sehr oft dagegen das Gegentheil herbeigeführt. Nirgends haben sie die socialen Leidenschaften gemindert, sehr häufig dagegen dieselben auf's Höchste gesteigert. Nirgends haben sie dahin gewirkt, daß eine Ausgleichung der schroffen Besitzverhältnisse eintrat, vielfach dagegen ganze Landschaften in die drückendste Abhängigkeit von sich gebracht, insbesondere aber das Geldkapital in ihren Händen gesammelt und es nicht in ruhiger Vertheilung durch das ganze Volk ziehen lassen. Wo sie irgend welchen bedeutenderen Einfluß auf das wirthschaftliche Leben eines Landes gewannen, da entstanden regelmäßig so furchtbare Störungen und Verwickelungen, daß es hierüber zu den entsetzlichsten Ausbrüchen der Volksleidenschaften und zu blutigen Verfolgungen kam. Beide Theile steigerten an einander ihre sündlichcn Neigungen und wurden sich so einander zum Fluche. Man stand sich zuletzt noch ein jedesmal als Ratze, als Stamm, als Volk, im innersten Denken, Fühlen und Streben, in seinen Zielen und Gemeiuschaftsgedankcn, in Sitte und Gewohnheit, in Liebe und Leid, in Religion und Glauben geschieden auf demselben Boden gegenüber, und das Ergebniß war bitterste, oft blutigste Feindschaft — ein Einignngsband wurde, wo Jesus fehlte, noch nie gefunden; alle, die es einmal werden sollten, zerrissen nach einander. Die Geschichte hat das Wort aus dem Munde Jehovas beim Propheten Sacharjah (8, 13) auf's Furchtbarste bestätigt: „Ihr vom Hause Juda und vom Hause Israel seid ein Fluch gewesen unter den Völkern"; und gemildert wird dasselbe nur dadurch, daß derselbe Gott den Juden eine Erlösung aus den Ländern der Zerstreuung zusagt, und sie alsdann „ein Segen" sein sollen. Was haben doch die Juden ohne Jesum gewonnen? Und womit können sie nun Gott begegnen? Der Tempel ist