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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 1-2 (1880) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
1-2 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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23 Anders stand die Sache in den slavischen Ländern und in Ungarn, unter denen sich der weitaus größte Theil der Judenschaft zumal seit den Vertreibungen der Juden aus Deutschland und Westeuropa niederlicß. Hier stand ihnen die Wahl eines jeden Lebensberufes frei, und Niemand zwang sie daselbst zum Handel. Aber auch hier dieselbe Erscheinung. Wer es irgend vermochte, wandte sich einem gelehrten Berufe oder bem Handel zu. Die Zahl der Juden in jenen Ländern war freilich eine zu bedeutende, als daß sich dieselben alle in jenen beiden zuletzt genannten Stellungen hätten behaupten können. Eben daher geschah es, daß sich auch eine größere Anzahl dem Handwerke, und Manche auch der Landwirthschaft zuwandteu. Aber welche Erfahrungen machte man nun mit diesen letzteren? Südrußland kennt jüdische Ackerbau-Colonieen. Diejenigen, welche hier von Inden nicht echt jüdischer, sondern tartarischer Abstammung bewohnt sind, zeigen regelmäßige Verhältnisse auf. Die russische Regierung versuchte auch im vorigen und in diesem Jahrhundert Juden zur Betreibung von Landwirthschaft anzuleiten, und stiftete für dieselben im südlichen Rußland Ackerbaucolonieen, aber die meisten schlugen vollständig fehl, und die dortigen Landwirthe verpachteten am Liebsten ihre Aecker an Nichtjuden, um selbst im Lande handelnd nmherzuziehen. Mit Recht aber hat die russische Regierung dem gesetzlich zu steuern gesucht, daß die Juden nicht Ländereien aufkaufen, die sie doch hernach nicht bestellen. Der Versuch, den Juden selbst gemacht haben, in Canaan (Jaffa) eine jüdische Ackerbauschule zu gründen, hat sich nur in den allerbescheidensten Grenzen gehalten und selbst in diesen bisher den Juden wenig Anlaß zur Freude gegeben. Einfache Handarbeit dagegen verrichten in durchaus angemessener Weise die Falaschas in Abessinien, welche aber freilich nicht rein jüdischer Abstammung, sondern ein Mischstamm aus Juden und Heiden sind. Ebenso treiben die Juden Arabiens hauptsächlich Handwerke, aber allerdings wäre daselbst auch für den Handel wenig Gelegenheit geboten. Unter den Juden Ungarns und der polnischen Distrikte des österreichischen Kaiserreiches übcrwog stets trotz aller Freiheit, die ihnen lange gelassen war, der Handel vollständig. Was jedoch die Handwerkerunter den Juden Rußlands betrifft, so schreibt an die „Allgemeine

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