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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 1-2 (1880) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
1-2 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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her führte, und daß sic iu der That aus völlig freiem, eigenem Antriebe, ohne den mindesten Zwang von irgend einer Seite, sich sehr bald nach der Erscheinung Christi zu einem Handclsvolkc umzugestalten begannen. Als etwas Selbstverständliches aber möchten wir cs hierbei hervorheben, daß diese Kanfleute nun nicht etwa als solche auch schon Betrüger waren, daß von Anfang an bis zum heutigen Tage viele von ihnen ihre Geschäfte streng redlich geführt haben, und daß oft Christen von ihnen in diesem Stücke beschämt worden sind. Den Schmähungell und Verläumdnngcn ihrer Feinde gegenüber muß das leider noch ausdrücklich sestgestellt werden. An der Thatsache aber, daß die Juden ein Handelsvolk wurden, ändert das nichts, und Dr. Hcrzfeld rechnet ihnen dieselbe sogar zum Lobe an. Er sagt, daß sie nicht als Colonisteu in andere Länder gehn konnten, aber dagegenübcr steht nun doch fest, daß die Auswanderer christlicher Nationen anders gehandelt haben, daß diese letzteren überall entweder in die ganze allgemeine Arbeit der fremden Länder miteingetretcn sind und sich also an dem gesammten wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der neuen Heimath vollkommen betheiligt, oder daselbst sogar erst ein neues wirthschaftliches Gefammtleben geschaffen und eben colonisirt haben. Für die.Juden war das Alles ebensogut möglich. Das Mittelalter fand hingegen bereits die Inden zwar nicht ausschließlich, aber doch im Wesentlichen als einen Handelsstamm vor, der sich durchgreifend von seiner christlichen Umgebung unterschied. Daß cs nun dieselbe als cigcnthümlichc Corporation anffaßtc, war nicht falsch, sondern völlig richtig. Aber darin hat es schwer gefehlt, daß es, wenigstens unter den romanischen und deutschen Völker», besonders seit den Kreuzziigcn die Inden i» ihrer falschen socialen und gesellschaftlichen Entwickelung geradezu befestigte, ja noch mehr, sic in derselben förmlich zu verkommen nöthigte. Von jetzt ab verbot mau ihnen in Mittel- und Westeuropa fast allen anderen bürgerlichen Erwerb als den durch Handel, und beschränkte sie selbst hier in der Hauptsache auf den Geldhandcl und den elenden Schacher. Daß man ihnen den traurigen Sclavenhandel, durch den sie in jener früheren Zeit ganz entsetzlich gesündigt haben, verbot, war hingegen sehr wohlgcthan. Die sociale Verkümmerung der Juden bei uns haben wir Deutsche also ganz gewiß mit verschuldet.

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