Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Nichtjuden berührt werden, erhebt mau sich sofort gemeinschaftlich gegen ein solches Wagniß. Von vornherein ist Jeder verurtheilt, der an der Judenschaft etwas zu tadeln findet. Gleichmäßig wird da die Stimme von Freund und Feind abgewiesen, und der Gedanke scheint gar nicht aufzukommen, ob man nicht vielleicht doch Ursache habe, zu irgend welcher ernsteren Selbstprüfnng zu schreiten. Jeder Blick in die große Zahl der Schriften, welche Juden ans Anlaß der gegen sie augenblicklich erwachsenen Bewegung geschrieben haben, zeigt das in einer wahrhaft entsetzlichen Weise. Seitdem die Juden Jesum verworfen haben, sind sie überall und unaufhörlich in nie endeuwollendeu Hader und Streit mit ihrer Umgebung gerathen. Aber stets suchten sie die Schuld allein bei der letzteren und nie bei sich selber. „Der Israelit" schrieb noch vor Kurzem: „An allen Conflikten zwischen Inden und Christen tragen nur die Christen die Schuld". Es macht da auch keinerlei Unterschied, aus welcher Gesinnung heraus und in welcher Form ihnen Vorstellungen gemacht werden, sondern Jedem, der ihren Schaden ihnen vorhält, wird auf's Feindseligste begegnet. Und so war es immer. Der Heiland und seine Apostel haben für alle ihre Zeugnisse der rettenden, ernsten, mahnenden, heiligen Liebe bei der großen Mehrheit des Volkes nichts als Hohn, Zorn, Bitterkeit, Haß, Steine, Bande, Gefängniß und den Tod geerntet. Heute aber empfangen ein Delitzsch, der in reiner, inniger, zarter Liebe zu den Juden seines Gleichen unter den Zeitgenossen nicht hat, ein Stöcker und die Mission, wenn sie nicht mit Anerkennung allein, sondern mit Mahnungen an die Juden treten, dieselbe Antwort, wie die Judenfeinde Rohling und Marr oder wie gemäßigte Humanisten nach der Art von Treitschke und der Schlesischen Zeitung. Man hat ein eigenes Wort erfunden, mit dem man alle Ausstellungen an den Juden brandmarkt: Rischns oder Gottlosigkeit. Zn einer friedlichen Verständigung hin und her kam es niemals, und alle Aussicht auf eine solche schwindet auch für die nächste Zeit wieder — die Völker suchten die Lösung schließlich regelmäßig vielmehr durch furchtbare Gewaltactc herbeizuführen, die für Inden und Nichtjuden gleich unheilvoll, gleich verderblich, gleich schinählich, gleich böse waren, und die für beide Theile doch nichts Anderes als neue gegenseitige Verbitterung erreichten.