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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 1-2 (1880) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
1-2 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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17 Verwerfung Christi gewonnen haben, sie nicht religiös vorwärts, sondern unsäglich weit zurückgebracht hat. Einen ungemeinen Rückgang der Religiosität in ihrer Mitte wagen selbst die jüdischen Wortführer nicht zu leugnen. So sehr sie „das Judenthum" erheben, so stolz sich das jüdische Selbstbewußtsein äußert, so sicher die Mehrzahl der gegenwärtigen Juden ihrer selbst sind, so triumphirend sie auf die Thatsache Hinweisen, daß sich das jüdische Gemeinschaftsgefühl in kurzer Zeit auf's Höchste gesteigert hat, so laut davon die prunkenden Synagogen, die überall erbaut werden, zeugen, so wenig vermag das Alles doch über die Thatsache hinwegzuhelfen, daß es in der Judenschast mit dem religiösen Sinne und lebendigen religiösen Glauben erschreckend schnell bergab geht. In der Gesammtheit der gegenwärtigen bedeutenderen Religionen giebt es wohl keine, deren Bekenner so wenig innere religiöse Bedürfnisse fühlen und die sich so leicht an der bloßen Zugehörigkeit zu ihrer Religionsgemeinschaft genügen lassen, als dies im heutigen Judenthum der Fall ist. Die Predigten, Schriften und Ansprachen, welche unter den Juden der Gegenwart das religiöse Thema behandeln, sind zu ihrem bedeutendsten Theile Verherrlichungen der Juden oder des Judenthums, neben dem nur der Parteihader noch eine bedeutende Stelle einnimmt. Die gesammte von Juden ausgehende Literatur, ihre wissenschaftlichen Werke, ihre Zeitschriften, ihre Brochüren, die von ihnen geschaffenen Theaterstücke sind vor Allem von dem einen Gedanken beseelt, die Juden zu feiern und zu preisen. Gewissensarbeit wird hier unsäglich wenig gethan, umsomehr dagegen die Selbstzufriedenheit und die Selbstgerechtigkeit genährt. Die Scheu vor der Heiligkeit Gottes, die Furcht vor der künftigen Verantwortung, eine irgendwie tiefere Sündenerkenntniß werden heute noch viel weniger als früher in der Synagoge geweckt, und bei allen den furchtbaren Schäden, an denen man krankt, geht die Synagoge, geht zumal das Predigtamt und geht die Literatur derselben recht flüchtig vorüber. Freilich sehen sich die Wortführer der Juden selbst zu Zeiten genöthigt, ein immer wachsendes Sittenverderben unter den Ihrigen, eine sich steigernde Sinnlichkeit und ein ungeheures Ueberhandnehmen des materialistischen Sinnes inmitten derselben, zumal aber in dem Heranwachsenden Geschlechte anzuerkennen, aber trotzdem geht das Selbstrühmen fort. Und wo Juden auch nur durch 2

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