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Dibre Emeth · 1880-01-01 · 1-2 (1880) · page 9

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Journal
Dibre Emeth
Volume
36 (1880)
Issue
1-2 (1880)
Date
1880-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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9 Heilandes und seiner ersten Apostel eine so furchtbare Anklage erheben, als die Hände betrachten, von denen sie Gutes, Heilsames, das Zeugniß der Wahrheit und das Wort des ewigen Lebens erwarten dürsten? Oder steht es nicht vielmehr so, daß die Juden mit der Verwerfung Christi gerade den tiefsten Grund zu dem Risse gelegt haben, der nun nach dem Ausweise der Geschichte immer wieder zwischen ihnen und den Völkern zu Tage tritt? Wahrlich, je mehr das Christenthum seine Mission erfüllt und die Erkenntniß des wahrhaftigen Gottes auch unter den Heiden ausbreitet, die bisher noch dem Verderben des Götzendienstes preisgegeben sind, desto weniger hat das Judeuthum Aussicht, als die heilsame, das Leben neugestaltende Macht der Menschheit anerkannt zu werden, desto mehr lernen es nur die Völker, daß allein unter dem hartnäckigsten Widerstreben der Synagoge jene christliche Kirche erwachsen ist, die ihnen ein neues, besseres Leben schafft. Die Erfüllung ihres weltgeschichtlichen Berufes haben bisher Juden thatsächlich allein durch die Predigt von Christo ausgeübt, ohne die Anerkennung desselben dagegen die Aussicht, jemals denselben noch erfüllen zu können, verloren! Dadurch, daß jene jüdischen Anhänger Christi nicht das Judenthum erwählten, sondern in den Gegensatz zu demselben traten, sind sie der Zeuge der religiösen Wahrheit, welche die Welt umgestaltet hat, geworden; die Juden hingegen, welche Christum verwarfen und verwerfen, haben sich gänzlich darum gebracht, eine positive religiöse Aufgabe unter den Völkern anszurichten. So war es bisher, und daß es weiter so sein wird, beweist gerade unsere Zeit am deutlichsten. Innerhalb der christlichen Kirche geht freilich das Glaubensleben oft wie Ebbe und Fluth auf und ab; es erscheinen in ihr auch von Anfang an Glaubensformen, welche denen der früheren Synagoge ähnlich sind. Viele gaben zu Zeiten den Glauben an den dreieinigen Gott ans und erwählten im Wesentlichen die Auffassung Gottes, welche die frühere Synagoge erwählt hat; aber niemals bleiben dieselben alsdann bei dieser Gottesaussassung stehen, sondern die Einen verlieren nun jeden Glauben überhaupt, und die Andern gewinnen eine um so tiefere und lebendigere Erkenntniß des Gottes, welchen die christliche Kirche lehrt — diejenigen dagegen, welche bei der jüdischen Auffassung Gottes verharren, verkümmern auf das Traurigste, wie es jeder Blick auf die heutigen Socinianer

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