Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 die stolzen Juden Spaniens erkennt mau in ihren verkommenen Nachkommen unter den Muhammedanern Afrikas und der Türkei nicht wieder! In der That aber, welchen Punkt wir auch in's Auge fassen mögen, überall drängt sich uns die Erkenntniß auf, daß die Juden durch die Verwerfung Christi nichts gewonnen, dagegen aber viel verloren haben. Unzweifelhaft hat ja die Abweisung Jesu sie um ihr Land und um ihr staatliches Gemeinwesen gebracht. Denn wären sie Christen geworden, so wäre dieses Ereigniß nicht eingetreten. Die jüdischen Christen jener Zeit lehnten sich nirgends gegen die Römer auf, so daß dieselben auch keine Veranlassung hatten, gegen sie Heere abzusenden. Als die Römer sich anschickten, gegen Jerusalem zu ziehen, verließ die dortige jüdische Christengemeinde und die des heiligen Landes ihre Wohnsitze, uni nach Pella zu ziehen, wo man sie auch unbelästigt ließ. Hätte der Sinn dieser ihrer Landsleute die übrigen Juden erfüllt, so wäre cs zu gar keinem Kriege gegen die Römer gekommen, und Israel hätte sein politisches Gemeinwesen behalten. Freilich legen die jüdischen Wortführer heute diese Vernichtung ihres Staatswesens vielfach anders aus, es im Anfänge als nach jener Katastrophe und noch lange der Fall war. In den ersten Jahrhunderten und zumeist auch noch das ganze Mittelalter hindurch bis auf unsere Zeit erkannte und fühlte man es, daß Israel durch dieses Ereigniß von dem schlimmsten Gerichte getroffen war, welches es überhaupt erleiden konnte, und die Gebete der Shuagoge erflehten deshalb die Rückkehr nach Canaan; der Tag der Zerstörung Jerusalems aber blieb der schmerzlichste und traurigste aller Feiertage. Heute hingegen beliebt man die Sache anders auszulcgen und zu deuten. Man schreibt und spricht, „daß die Frucht (Israel) reif war, so daß ihr Kern gesprengt, und der Same über alle Lande ausgestreut werden konnte, damit auf der ganzen Erde die rechte Gotteserkenntniß aufsprießen möchte!" Man hat sich jetzt aus dem, was man früher noch als das furchtbarste Gericht fühlte, einen Beweis besonderen göttlichen Wohlgefallens zurecht gemacht! Aber sind denn wenigstens in der Wirklichkeit und nach der thatsächlichen Erfahrung die Juden mit der Verwerfung Christi und mit ihrer Zerstreuung in den Beruf, die rechte Gotteserkenntniß