Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554860-2554862--07316-2563328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5 die Schranken. Die Israelitische Allianz forderte auf dem Berliner Congresse die bürgerliche Gleichberechtigung aller ihrer östlichen Brüder; und wie „sie, so betrachten überhaupt die Juden gerade der Culturländer jede irgend einen Juden angehende Sache sogleich als die ihrige, als ein allgemein jüdisches Interesse. Der jüdische Stamm trat selbst im eigenen Lande niemals so geschlossen auf und zeigte niemals so sehr den Charakter einer einheitlichen Nation, wie dies gegenwärtig von den über die ganze Welt zerstreuten Juden gesagt werden kann. Das vollständig begreifliche, weil eben nur viele Erfahrungen der Gegenwart zusammenfassende Resultat hinsichtlich des Judenthums und der Juden lautet daher nach einem orthodox jüdischen Ausspruche: Das Kreuz zerfällt, der Halbmond erlischt, das Judenthum ist die Weltreligion! und nach einer reformerischen Predigt: Man kann von Israel sagen, daß es in Folge seiner Zerstreuung die Völker geistig überwand, welche es leiblich unterjochten. Der Sieg scheint von den Juden errungen zu sein, und die Verwerfung Christi ihnen nach einer allerdings langen Zeit, die sehr viel Trübes für sie enthielt, einen über alles Vorherwissen hinausgehenden Gewinn gebracht zu haben. Aber jetzt gerade zeigen sich Anzeichen, die daran erinnern, daß es nun doch zu früh wäre, ein Siegesgeschrei anzustimmen, und daß auch diesmal vielleicht wieder nur eine kurze Glanzperiode eiugetreten ist, gegen welche der nachfolgende Rückschlag nur um so tiefer empfunden werden würde. So wie jetzt allgemeiner, stand es schon einmal mit den Juden in Spanien. In der Zeit der maurischen Herrschaft hatten diese sich allmählich zur höchsten socialen Macht im Volke emporgeschwungen, Spanien gehörte in der That ihnen. Die Könige benutzten sie als ihre Finanziers, der Adel war ihnen verschuldet, des Bauern Eigenthum ihnen vielfach verpfändet; das Landvolk bearbeitete oft gewissermaßen nur den Boden für die jüdischen Herren. Die Gesetze hatten für sie solche Privilegien geschaffen, daß die Bevölkerung ihnen fast wehrlos gegenüberstand, und viele Spanier auswanderten. Der Triumph war ein vollständiger. Aber nach wenigen Jahren war es mit der ganzen Herrlichkeit vorbei, und