Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 36 (1880)
- Issue
- 1-2 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 mit der Emancipation und bürgerlichen Gleichstellung der Juden voran, Frankreich folgte, und nun der Reihe nach die meisten Staaten Europas, so wie auch etliche in Asien und Afrika. Rußland, Portugal, Spanien und Rumänien legen ihren jüdischen Unterthanen noch manche Beschränkungen auf, aber auch dort wird ihnen bereits ein größeres Maß von Rechten als früher zuerkannt, und die Juden glauben jedcsfalls mit der gewissen Hosfmlng, daß sie in nicht ferner Zeit überall als vollberechtigte Staatsbürger anerkannt werden würden, der Zukunft entgegensetzen zu können; fast die Hälfte ihres Stainmes aber nimmt gegenwärtig schon die Stellung solcher ein. Ueberdem ist die sociale und gesellschaftliche Lage der Juden, Theilc von Rußland und mehrere kleine muhammedanischc Staaten etwa ausgenommen, vielfach eine sehr günstige. In keinem Stamme hat sich ein so großer Geldbesitz gesammelt. Die Steuerregister in Preußen z. B. weisen überall ein viel größeres Durchschnitts- Capital und Einkommen bei den Juden als bei den Christen auf. Die Börsen von Berlin und Wien sind fast ganz in jüdischen Händen; aber auch die von Petersburg und Paris werden von ihnen durchgreifend beeinflußt, und auf dem ganzen Continent wird die Börse mehr oder weniger durch Juden bestimmt. Der Grundbesitz ganzer Landstriche Europas, wie besonders in Galizien, Ungarn, der Bukowina, Rumänien und theilweise auch in etlichen deutschen Gegenden ist der daselbst angesessenen jüdischen Bevölkerung im weitesten Umfange verpfändet, und sie bilden dort in Wahrheit den eigentlich besitzenden Theil der Bewohner. Allerwärts treten die Juden dazu immer mehr in die höheren Gesellschaftsklassen ein. In Preußen machen dieselben nur 1,3 Procent der Bevölkerung aus, während 1869 8,7, 1873 9, und 1878 gar volle 10 Procent aller Kinder, die höhere Schulen besuchen, jüdische sind, und also die Juden jetzt in einem fast achtmal stärkeren Maße als die Christen die Vortheile der oberen Volksklassen genießen. Der Zudrang von Studireuden aus den allcrärmsten Kreisen der österreichischen Juden wächst auf der Universität Wien in einem solchen Maße, daß die beanspruchte Unterstützung nur noch theilweise gewährt werden kann; im letzten Jahre haben dort 364 solche erbeten. Aehnliche Verhältnisse treten auch in Rußland allmählig ein. Das jüdische Element nimmt i» den