Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Allerlei Mcher, welche in verschiedener Weise der Juden gedenken, sind unserem Blatte mit der Bitte, besprochen zu werden, übersandt worden, und so wollen wir derselben hier kurz gedenken. Wir erhielten von Herrn C. Scholl, freigemeindlichem Prediger in Mannheim, zwei Schriften: 1. Uaqmuild von Meziers, ein Trauerspiel der Albigenser- Zeit. München, C. Merhoff. 1879. Der Verfasser hat ein unleugbares dichterisches Talent. Die Handlung in diesem Trauerspiele geht rasch und lebendig vorwärts; die Personen sind, von dem päpstlichen Legaten abgcsehn, klar und verständlich geschildert, und dem Gange des Spieles folgt mau mit Theilnahme und Wärme. Es fehlt auch nicht an dichterischem Schwünge, wenngleich der Versbau noch öfters etwas zu wünschen übrig läßt. Aber das Stück ist ein Tcndcnzstück, es soll gegen die katholische Kirche erbittern. Deßhalb werden die Albigenser, die doch nach der Geschichte nicht weniger grausam als ihre Gegner waren, idealisirt, und deßhalb wird eine Jüdin erfunden, die ganz besonders das Licht gegen die vielen Schatten der Katholiken bilden muß. Herr Scholl wollte eben eine Lanze für die Religion der reinen Humanität brechen, und das thut er noch klarer in einerandern Schrift: 2. Aas Audenthum und die Keligion der Kumanität. Leipzig, R. Friese. 1879. Hier beklagt derselbe, daß man gegen die Freigemeinden ganz gleichgiltig sei; besonders unerklärlich aber sei die Gleichgiltigkeit der Juden, für deren Emanzipation doch die Freigemeinde» erheblich mitgewirkt hätten. Letztere aber sei darum für die Juden und das Judenthum eingetretcn, weil sie alle Religionen nur als gebrochene Farben eines und desselben Lichtstrahls erkenne. Die Freigemeinde habe sich aber auch noch dadurch besondere Verdienste um die Juden erworben, daß sie die Person Jesu ihres kirchlichen Glanzes entkleidete und ihn einfach als einen Juden erkennen lehrte. Folgerichtig habe sie selbst dann aufgehört, sich als eine christliche Gesellschaft zu betrachten, und sei eine rein menschliche in dem Sinne