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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 11-12 (1879) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
11-12 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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178 ein, der sein Handwerk tüchtig lernte und dadurch wie durch die strenge Erfüllung seiner religiösen Pflichten sich das Vertraue» seines Meisters erwarb, so daß dieser ihn hernach als Reisenden verwandte. Obwohl in Kischineff geboren und allmählich 19 Jahr alt geworden, hatte er niemals etwas von der Existenz der Mission gehört; und da er ein frommer Jude war, so würde ihn der bloße Gedanke, den Boden einer christlichen Kirche auch nur zu betreten, mit Abscheu erfüllt haben. Da befällt ihn eine Angen» entzündnng und macht ihn unfähig, sein Handwerk fortznsctzen. Sein freundlicher Meister aber schützte ihn wegen seiner guten Führung und seiner Geradheit so, daß er ihn von nun an als Reisenden beschäftigte. Mit einem guten Vorrath von Uhren versehen, zog der junge Mann ans, und sein neues Geschäft versprach, recht einträglich zu werden. Eines Tages lenkte ein lärmender Hanfe in einem Flecken seine Aufmerksamkeit auf sich; er sah, daß man dort um etwas stritt, aber vermochte nicht inne zu werden, um was es sich handele. So trat er denn näher und erblickte nun einen Inden, der in einer Hand ein Buch hielt, von dem etliche zerrissene Blätter hernnterhingen. „Fort mit dem Buche der Goim (Christen)!" schrie Einer. „Rein, ihr sollt cs nicht zerreißen!" brüllte ein Anderer. Der Uhrmacher drängte sich durch den Hansen, und, sich an die erhitzten Streiter wendend, sagte er: „Meine Brüder, warum euch zanken? wenn ihr nicht wißt, was mit dem Buche anznfangen ist, will ich cs zu mir nehmen." Kaum gesagt, hatte er auch so gethan und zur Uebcrraschung Aller das Buch ergriffe», mit dem er nun ruhig fortging. In seinem Gasthause angekommen, prüfte er dasselbe genau: es war ein Neues Testament und trug das Siegel der Kischineffer Mission, aber etliche Blätter fehlten. Das brachte ihn mit der Mission in Verbindung, da er sein Exemplar mit einem vollständigen zu vertauschen wünschte. Der Herr öffnete ihm die Augen, er wurde gläubig und getauft. Man gab ihn in das Asyl des Pastor Völker zu Neckargröningen in Würtembcrg, und von dort kam er zu seiner Vorbereitung auf das geistliche Amt in ein theologisches Seminar Amerika's. Jenes Neue Testament war gewiß schon durch manche Hände gegangen, ehe es in die rechten fiel, von denen es dann in das Herz drang, wo es den Samen des Evangeliums einpflanzte, der zu seiner Zeit zu einer Pflanze Gottes erwuchs.

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