Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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176 wart vo» Beamten des Staates öffentliche Besprechungen zwischen Missionaren und Juden, und auch hier Alles in der ordentlichste» Weise. Ebenso aber werden in Warschau MissionsgoUesdienste in deutscher und französischer Sprache gehalten. Die russische Regierung befördert überall, in Warschau wie in den Provinzen, das Missionswerk auf's Freundlichste. Auch hat man die Erlaubniß bckoiumcn, die Milititr- und Civilhospitälcr zu besuchen und öffentliche Versammlungen in den Provinzialstädten zu veranstalte». Natürlich wurde von solcher Erlaubniß ein reichlicher Gebrauch gemacht. Besonders aber schätzten die jüdischen Soldaten den Besuch der Missionare in ihre» Kasernen, den um» diesen gestattet hatte. Alan hörte sic äußern: Sobald wir in die Armee eintrcten, halten sich unsere Glaubensgenosse» von uns fern, und wir scheinen völlig vergessen zu sein; denn niemals kommen Rabbiner oder ihre Anhänger zu uns, um sich nach unserem geistigen und leiblichen Befinden zu erkundigen. Selbst an unseren Festtagen, der einzigen Zeit, wo wir vom Dienste frei sind und unsere Bctplätzc besuchen können, nimmt man von uns wenig Notiz; auch der Rabbi thut es nicht einmal und frägt uns nichts, noch gicbt er uns ein Wort religiöser Ermunlernng mit auf de» Weg. Der einzige Freundlichkcitsbcweis, den wir an Festtagen erhalten, ist, daß man uns während dieser Zeit ein koscheres Mahl darbictet, und auch das empfangen wir meist nur von der ärmeren Klasse der Handelsleute. Mit ungemeiner Freude nahmen daher diese Soldaten die heil. Schrift für einen billigeren Preis oder als Geschenk an. Besonders interessant waren llnterhaltnngcn mit etlichen aus den Kaukasus-Gegenden stanimenden jüdischen Soldaten. Sie erzählten, daß man bei ihnen wenig im Talmud (Gemara) unterrichte, sondern nur in der Mischna und der Bibel. Bis vor wenigen Jahren jedoch sei cs sehr schwer und mit vielen Kosten verbunden gewesen, eine Bibel zu erlangen, nun aber empfange man dieselben im lleberfluß und billig durch Agenten aus Bagdad und Teheran. Auch die Neuen Testamente hätten die amerikanischen Sendboten verbreitet, und sie würden viel gelesen. Die Geschichte, so fügten sie hinzu, die in diesem Buche berichtet wird, ist von den Erzählungen, welche wir über dieses Ereigniß besitzen, ganz verschieden; und das Erstaunen darüber war in unseren Genieinden so groß, daß die Sache eine lange Zeit der Gegenstand des allge-