Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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175 alten Bewohner übergehn und der Messias erscheinen werde. Uebrigens denken sich viele Juden, daß die Wiederherstellung ihres Volkes auf ganz natürliche Weise vor sich gehn, und ihr Land zunächst dann unter den Schutz der mächtigsten Nationen treten werde. Wie eifrig man oft bemüht war, sich die Schriften der Missionare zu verschaffen, davon hier ein Beispiel. Ein armer Jude, dessen ganze Habe in einem Korbe mit Früchten, die er zum Verkauf hcrumtrug, zu bcstehcu schien, sandte sein kleines Töchterchen mit 2 Kopeken zu dem Missionar. Diese redete denselben an: „Mein Vater wünscht ein kleines Buch für dieses Geld!" Nächsten Morgen kam sie mit den Tags zuvor gelesenen zwei Traktaten, welche die Spuren dessen trugen, daß sie wohl gelesen waren, wieder. Sic bat um andere, und der Missionar erfüllte gern ihr Begehren; aber größer noch war seine Freude, als er durch das Fenster sah, wie der Mann das mit den Büchern zurückkehrende Kind küßte, und nachdem er einen Blick auf alle die Blätter hatte fallen lassen, eins derselben zu lesen begann. Das Interessanteste aber geschah am Freitag Abend nach Sonnenuntergang. Der alte Jude öffnete da das Zimmer des Missionars gerade so weit, um seinen Kopf in dasselbe stecken zu können, und sagte: „Vergeben Sie uns, daß ich Sic frage, ob denn das die Wahrheit ist, was in den kleinen Büchern geschrieben steht?" Als der Missionar ihm antwortete, daß wir nur Bücher, welche die Wahrheit enthielten, führten, war er zufriedengestellt. Er äußerte nun, daß ihn die Zeit nicht verdrieße, die er auf das Lesen der Büchlein verwandt habe, die ihm so manche Fälle, wie Sünder die Vergebung und Gnade Gottes erlangt, erzählt hätten. Der Missionar aber schenkte dem Alten, ehe er ihn verließ, eine Bibel und andere geeignete Schriften. In Warschau hat man auch deutsche Bibclstunden am Sonnabend-Nachmittag, der für die Juden geeignetesten Zeit, eingerichtet. Dieselben werden in der Missionskapelle gehalten, mit Gebet eröffnet, und dann folgt die Verlesung eines Abschnittes aus dem Alten Testamente, den man zuvor bekannt gemacht hat. Hierauf finden freundliche gemeinsame Besprechungen des Textes statt, wobei überall auf die hebräische Grundsprache Rücksicht genommen wird. Juden erscheinen hierbei und nehmen ein großes Interesse an diesen Stunden. In den Provinzen geschahen gleichfalls in Gegen-