Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 11-12 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 auf die Predigt warten, und oft kostet cs große Schwierigkeiten, um nur die für einen Gottesdienst nöthige Zahl von männlichen Personen (10) zu finden. Auch dem Missionar selbst begegnete man der Regel nach mit großer Gleichgiltigkeit. 6. Oesterreich. In Oesterreich-Ungarn kämpfen modernstes Jndcnthum, eine Halborthodoxie, der alte Talmudismns und der Chasidismus miteinander; in Galizien hat noch immer das alte Judenthum einen seiner Hauptsttze, unter den aufgeklärteren Orthodoxen dieses Landes aber fanden die Missionare am Ehesten noch einen redlichen religiösen Sinn. Hörer genug für ihr Wort und Zeugniß treffen die Missionare überhaupt unter den Inden des Ocsterrcichischen Kaiserstaales; in Ungarn waren sie zum Theil von denselben förmlich überlaufen. Ein ganz bedeutender Prozentsatz von den hernach im Auslande getauften Inden kommt denn auch ans diesen Gegenden, und sehr viele derselben haben ihre erste Anregung durch die wandernden Missionare empfangen. 7. Kußland. Als eins der wichtigsten Missionsgebiete erweist sich immer mehr Rußland und besonders Russisch-Polen. Den Missionaren wird wohl nirgends ein so leichter Eingang bei den Inden gewährt als hier, und sie arbeiten auf diesem Gebiete so recht aus dem Vollen heraus. Man hat aber auch die gebotene Gelegenheit reichlich benützt und weit und breit sowohl durch mündliches als durch geschriebenes Wort den Samen des Evangeliums ansgestreut. Rach Schriften und Traktaten zeigte sich ein sehr reges Verlangen, und das Neue Testament wurde ebenso eifrig gekauft wie angenommen. Viele durchreisende Juden nahmen diese Schriften dann auch mit sich in das Innere des Reiches. In ihren Gesprächen mit den Missionaren benahinen sich die Juden zumeist durchaus anständig, und je mehr ihnen selbst ihr altes talmudisches System unter den Händen zerbricht, desto mehr erweisen sie sich geneigt, von Anderem zu hören. Vielfach war man auch darum bereit, die Botschaft der Missionare zu vernehmen, weil die Meinung unter den Juden weit verbreitet war, daß nun der Sturz des türkischen Reiches nahe sei, Kanaan aber danach wieder in die Hände seiner