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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 9-10 (1879) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
9-10 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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ISS daß sich vielfach sittliche Verworfenheit mit großer Frömmigkeit vereinigt, was schon oft die letztere als geheuchelt, die Betreffenden als Heuchler erscheinen ließ. Nach unserer Ansicht ist dieser Vorwurf ungerecht. Die Frömmigkeit kann ganz aufrichtig und ernst gemeint und doch mit moralischer Schwäche und Niedrigkeit vereinigt sein. Eine weitere hierher gehörige Betrachtung ist folgende. Wir haben oben das Wort und die Betrachtung als das hauptsächlichste Mittel genannt, wodurch die religiösen Ideen sich im menschlichen Geist und Gcmüth Eingang verschaffen. Näher bezeichnet sind dieselben: der religiöse Vortrag, das Gebet und das Lesen der Schriften, die für den gläubigen Leser vollkommene oder nahezu vollkommene Wahrheit enthalten. Wird es nun, was die beiden letzteren betrifft, ganz dasselbe sein, ob man sich dabei der Muttersprache oder einer fremden Sprache bedient? Bei demjenigen, der dieser Sprache nur wenig oder doch nicht vollkommen mächtig ist, wird die Antwort unbedingt eine verneinende sein müssen. Bei den unverstandenen Stellen wird nur der Wortklang das Ohr berühren, der Sinn aber nicht zu Geist und Herzen dringen, und auch bei den verständlichen Stellen wird sich der Gedanke nur mühsam den Weg zum Bewußtsein bahnen können, eine unmittelbare Wirkung auf Geist und Gemüth bleibt ausgeschlossen. Dies wird ganz natürlich auch die Folge haben, daß das Gebet und das Lesen des heiligen Buches nicht um des ihnen innewohnenden Sinnes willen geschätzt, sondern als eine Art magischer Formel, oder als ein an den Himmel zu entrichtender Tribut angesehen wird, wobei Verständniß und Andacht nur eine sekundäre Rolle spielen." So dieser jüdische Schriftsteller. Man sieht, derselbe kann nicht umhin, in der ganzen Anlage jener pharisäischen oder talmudischen Religion, welcher doch die Juden von Christo an bis in die neueste Zeit ergeben gewesen sind, tiefe Schäden anzuerkennen und sie dafür verantwortlich zu machen, daß so böse Erscheinungen wie der Wucher vielfach unter den Juden zu Tage treten konnten. Wir wollen nun nicht den Punkt weiter behandeln, ob die Anschauungen dieses Schriftstellers und das moderne Judenthum ein besserer Ersatz für diese pharisäische Religion sind, sondern nur darauf Hinweisen, daß jene Schäden schon in ihrem ersten Entstehen

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