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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 9-10 (1879) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
9-10 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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153 Verfasser der talmudischen Religion, welche auch die Juden selbst als die weiter ausgebildete Religion der Pharisäer anerkennen, angedeihen läßt. Wir lesen da: „Ziehen wir aus dem Bisherigen das Facit für unsere Untersuchung, so wird nicht behauptet werden können, daß die jüdische Religion dem Wucher Vorschub leistet; im Gegentheil wird man anerkennen müssen, daß sie den Wucher mit Jedermann scharf verurtheilt und das Ihrige thut, dieses Laster mit Stumpf und Stiel auszurotten. Wie kommt es nun aber, daß die Religion gerade auf diesem Gebiete sich nicht so einflußreich erweist, als man erwarten sollte, da doch, wie wir nachgewiesen haben, die jüdische Religion ihre Bekenner mit aller Energie vom Wucher zurückzuscheuchen sucht? Die naheliegende Erklärung, daß die Macht des Erwerbstriebes allen religiösen Hebeln spottet, ist hier um so weniger ausreichend, als sich das Wuchergewerbe mit dem ausgesprochensten religiösen Bewußtsein aus das Unbefangenste zu vertragen pflegt. Wir sagen absichtlich pflegt, um den Einwand, es handele sich vielleicht um seltenere Fälle, zum Voraus als von den Thatsachen widerlegt abzuweisen. Die folgende Erörterung läßt vielleicht diese Erscheinung begreiflicher finden. Die Mittel und Vorstellungen, wodurch eine Religion auf den sittlichen Zustand ihrer Bekenner einwirkt — nach welcher Wirkung der Kulturhistoriker den Werth derselben bestimmt — sind verschiedener Art. Durch das Wort oder die Betrachtung, womit sie bald belehrt und überzeugt, bald überredet, bald vorstellt und in Erinnerung bringt, bald das Gefühl in irgend einer Richtung erregt und stimmt — welchen Mitteln, die bald als Gebet, als Vorlesung, als Rede oder als Unterricht sich darstellen, die Kunst unterstützend zur Seite steht — ist sie bestrebt, die Quellen des Bösen im menschlichen Gemüthe zu verstopfen und die Quellen des Guten darin zu öffnen, die Empfindungen zu läutern und zu veredeln, die Willenskraft zu stärken, die Saat der Tugend im Menschenherzen zum Keimen zu bringen, die natürlichen Folgen des Bösen und des Guten für Andere und für den Menschen selbst ihm zum Bewußtsein zu bringen, sittliche Gesinnungen zu wecken und zu befestigen. Weit wirksamer jedoch ist bei der Menge, insbesondere bei stumpfen oder durch Gewohnheit und Beschäftigung abgehärteten Naturen, eine Vorstellung, welche den positiven Reli-

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