Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 9-10 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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151 „In der katholischen wie in der evangelischen Kirche hat jeder Aufschwung des Geistes der starren Orthodoxie Platz gemacht, das Judenthum dagegen hat sich im letzten Jahrhundert vergeistigt — und strebt in unserer Zeit nach einer Höhe, welche nicht blos für seine Bekenner, sondern auch für alle nach religiöser Erkenntniß Strebenden wie ein Leuchtthurm im Sturme der Zeit sichtbar sei und Zuflucht werde. Denn das Judenthum hat und behält die weltgeschichtliche Aufgabe, Fundament und Träger der monotheistischen Gotteslehre zu sein." „An dem Tage, da der Tempel zerstört ward, wurde der Messias geboren; da begann der Erleuchtungsgang Israels als Erlöser der Welt von Wahn und Jrrthum." „Das jüdische Volk ging in die Zerstreuung, um in dem Maße, welches die Vorsehung ihm dazu bewilligte, die Zeugenschaft für den wahren und reinen Monotheismus zu üben. . . Als der Tempel Jerusalems gefallen war, hatte das Judenthum daher auch nichts gelitten, sondern dieser Tag gab vielmehr den nachhaltigsten Impuls zur Verbreitung israelitischer Weltanschauung in der ganzen Menschenwelt." In einer von ihrem Verfasser unserem Kaiser überreichten Predigt heißt es: „Israels Sendung und Begabung ist, ein Lcuchtthurm zu sein auf dem Gedankenmeer der Menschheit!" Und ein anderer Prediger sagt: „Es ist eine kindische Auffassung, den Wanderzng Israels als eine gerechte Strafe des gerechten Gottes zu bezeichnen, sondern es sollte überall das Banner der reinen Religion, Tugend und Humanität aufpflanzen, ein heilsames Ferment in allen Gebieten der Kultur, das Salz der Völker, der Sauerteig der Nationen sein, wie es heute der Fall ist." In ganz gleicher Weise lauten auch die neuorthodoxen Zeugnisse. „Israel ist auf das Zusammenleben mit den Nationen angewiesen, es ist das Priestervolk der Erde." „Israel ist berufen, der ganzen Welt das Heil zu bringen, und die Zeit ist nahe, denn das Kreuz zerfällt, der Halbmond erlischt, und die heidnischen Nationen Asiens und Afrikas sind längst gegen die ererbten Götzen gleichgiltig geworden." „Die Juden bleiben für die Menschheit, was die Sonne für die Welt ist." „Alle Schuld fällt bei den Konflikten zwischen Christen und Juden auf das Haupt der Christen."