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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 9-10 (1879) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
9-10 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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148 sprachen, sondern es erscheint auch hier vielmehr ein Theil derselben wieder; aber ein anderer wichtiger Theil ist fortgelassen, und daneben finden wir Aussprüche, welche eine ganz andere Selbstbeurtheilung zu Tage treten lassen, als sie von der Schrift gefordert wird. Wir lesen also (in der Landau'schen Ausgabe des Gebetbuches) im Morgengcbet: „Nicht ob unserer Tugend legen wir unsere Bitte dir vor"; und so an mehreren Stellen. „Durch unsere Sünden und durch das Frevclleben unserer Vorfahren ist Jerusalem und dein Volk bei allen unfern Umgebungen zur Schmach geworden." „Dein, Herr, ist die Nachsicht, und unser ist die Scham." Oder im Mussaph-Gcbet für den Neumondtag am Sabbath: „Weil wir und unsere Vorfahren sündigten vor dir, wurde unsere Stadt zerstört, unser heiliger Tempel verwüstet." Im Mussaph-Gcbet für die 3 Hauptfeste: „Ach! um unserer Sünde willen sind wir vertrieben, aus unserm Lande verbannt, von unserm Lande hinweg, und wir können nicht mehr hinaufwallen, um dich anzubeten und unsere Pflicht zu erfüllen in dem von dir erwählten Tempel." Des Oefteren wird insbesondere mit Schmerz des Fehlens der Opfer gedacht. Am Vorabend des Neumondtages: „Mehr als jede Nation haben wir verschuldet, mehr als irgend ein Geschlecht sind wir beschämt; jede Freude ist dahin, unser Herz trauert der Sünden wegen, unsere Lust ist verpfändet, zerstört ist unser Schmuck der Sünden wegen; der heilige Tempel ist zertrümmert, verwüstet jener majestätische Palast. — Wie könnten wir so unverschämt, so verstockt sein, um Dir, Ewiger, unser und unsrer Väter Gott, vorzusagen, daß wir rechtschaffen und sündenfrei seien; nein — wahrlich, wir haben gesündigt." Hier überall wird also die Zerstreuung als eine gemeinsame Schuld und Strafe für die Vorfahren und das gegenwärtige Geschlecht der Juden anerkannt, die Wiedersammlung aber und die Zurückführung nach Kanaan wird gläubig von Gottes Erbarmen erwartet und erbeten. Welches jedoch die Sünde sei, die ein solches Gericht fort und fort über das Volk bringt, wird nicht gesagt.

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