Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 9-10 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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139 mir Irrenden ein Weg, mir Zagenden ein Trost, mir Armen ein Schatz, mir Narren eine Weisheit, mir Wehrlosen ein Schwert, mir Kranken ein Arzt und mir Todten ein Leben. ..... Demselben getreuen Heiland, der mir bisher Geduld verliehen hat, sei Lob und Preis gesagt, von nun an bis in Ewigkeit, darum, daß er mich durch die ordentlichen Mittel, als Wort und Sacrament, berufen, daß er auch mir seinen heiligen Geist zum Pfand und Siegel in mein Herz gegeben hat, dadurch ich gewiß bin, daß ich ein Kind und Erbe des ewigen Lebens sei. Amen." So schrieb Gerson 1607 (in der vorigen Nummer war fälschlich 1601 gedruckt), 7 Jahre nach seiner Taufe, 5 Jahre, ehe er das Predigtamt überkam, und 15 Jahre vor seinem Tode. Wie eine Ahnung klingt es hier, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Er spricht ja am Schlüsse seines Buches davon, daß, wenn er eines jähen Todes sterben sollte, dieses sein Zeugniß als Denkmal seines Glaubens Zurückbleiben solle — und er fand ein solches Ende. Mittwoch, den 25. September 1622, war er in Latorff, um die Trauung der Tochter des dortigen Predigers zu vollziehn. Abends 6 Uhr brach er dann bereits mit etlichen andern Hochzeitsgästen auf, um im eigenen Wagen nach Hause zu fahren. Sein Knecht war ein roher Mensch. Vielfach irrefahrend und fluchend erregte er den Zorn der anderen Kutscher, und einer derselben drohte ihn zu schlagen. Dies brachte den Menschen in solchem Grade auf, daß er die Pferde verließ und davonlief. Die Thiere, durch das unverständige Fahren bereits unruhig gemacht, fühlten sich kaum von den Zügeln los, so rasten sie mit dem Wagen davon, den Berg hinunter und der Saale entgegen. An ein Halten war nicht zu denken, die Dunkelheit der Nacht verhinderte überdem auch noch jede Hilfe. Die Pferde kamen deshalb erst im Flusse selbst und auf einer Sandbank desselben zum Stillestehn. Die Insassen des Wagens schrieen in Todesangst und Jeder dachte nur an seine Rettung. Gerson selbst stürzte im Flusse aus dem Wagen. Wie es so gekommen, wußte Niemand; wohl hörten sie sein Rufen um Hilfe, aber theils konnten sie ihn der Finsterniß wegen nicht erblicken, theils mußten sie Alles aufbieten, um nur ein Jeder selbst dem Wasser zu entrinnen — kurz, der treue Mann Gottes ertrank.