Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 9-10 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Religion zu verändern und in's Christenthum zu treten. Welche Ursach in diesem Büchlein genug angezeiget ist. Aber ich habe Sorge, daß die Leute, welche immer mit den Worten und Gedanken umgehen und mich damit betrüben, wenn sie sagen: „Er bleibt nicht beständig", so eine geringe Wurzel ihres Glaubens haben, daß sie nicht allein, wenn eine kleine Verfolgung käme, abfielen, sondern, daß sie auch nicht ein Huhn, viel weniger aber ein liebes Kind um des Herrn Christi willen zusetzen sollten. Ja, sie sollten wohl nichts wissen, wenn sie gefragt würden, was an Christum glauben heißt. Auch soll mich nicht irren, daß man dem hochgelehrten und um die christliche Kirche wohlverdienten Mann, Doktor Immanuel Tremellius, auch da er schon selig entschlafen, zu einer Danksagung seiner nützlichen Arbeit, die er bei der Kirche gethan hat, nachschreibt, er sei ein Jude, dazu ein loser, boshaftiger Jude, ein Calvinischer Teufel, ein übelgctaufter Christ und ein großer Bube, der viel besser ein Jude geblieben, denn ein solcher Christ geworden wäre. Und daß man Elchanon Pauli auch fälschlich nachsagt, er sei vor seinem Tode wieder zu einem Juden geworden. Sondern, wenn es mir auch schon also mit üblen Nachreden ergehen sollte, will ich's mit Geduld leiden, dieweil wir die Verheißung haben, daß es uns im Himmel wohl belohnet werden soll (Matth. 5,12), und auch Christus selber einen Teufel hat hohen müssen (Joh. 8,48). Auch soll mich nicht abschrecken die Mißgunst der ersten Arbeiter, welche scheelsehen und fast darum zürnen, daß mich Gott, der Herr, in der elften Stunde berufen und ihnen gleich gemacht hat. Dieweil ich aus Gottes Wort weiß, daß Christus fürnemlich von der Juden wegen und also auch meinethalben in diese Welt kommen ist. In Summa: ich will und kann Alles leiden; und je mehr ich unschuldigerweise leide, je mehr werde ich in meinem Herzen versichert, daß ich bei Gott in Gnaden und dem Herrn Christo, welcher viel mehr für mich gelitten hat, etlichermaßen gleichförmig worden bin. Sonderlich aber, weil ich auch weiß, daß Christus Alles in Allem ist, so ist er mir Wankenden ein Fels, mir Nackenden ein Kleid, mir Blinden ein Licht, mir Hungrigen eine Speise,