Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 9-10 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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137 beten muß; wohlthun denen, die mich beleidigen, und keine fremde Güter rauben muß; welches viel schwerer, als aller Rabbinen Aufsätze zu halten ist. Ja, es wissen auch die Juden, daß ein Mensch nicht seine liebe Freunde, Hab' und Gut, ja Alles wegen eines guten Bissens zu essen verläßt. Auch wissen sie, daß ich in meiner Haushaltung mehr Fleisch gehabt habe, als ich jetzo im Christenthum Brot habe. Item, wenn sie sagen, ich habe mich darum taufen lassen, daß ich unter dem Schein der Taufe der Gevattern Geld gesucht habe, so wissen sie auch, daß mir an einem Tag in meinem Judenthum mehr Geld durch die Hand gegangen ist, als ich die ganze Zeit meines Christenthums mächtig gewesen bin. Und wenn ich schon der ärmste Bettler gewesen wäre, so habe ich doch so viel reicher Freunde gehabt, wie ganz Essen und Recklichhausen weiß, die hätten mich nicht verlassen, sonderlich, wenn ich ihnen gesagt hätte, ich wollte mich Armuths halber taufen lassen. Denn hätten sie es schon nicht meinethalben thun wollen, so hätten sie es doch ihrethalben gethan. Dieweil sie sich jetziger Zeit vor andern Juden meiner schämen müssen. Auch will ich mit Geduld leiden, daß viel Christen wider das Gebot Gottes 3. Mose 19,33 sagen: Ich werde bei meinem Christenthum nicht beständig verbleiben. Dieweil sie viel Exempel wissen, daß sich Juden aus falschem Herzen haben taufen lassen und wie das wurmstichige Obst,wieder dahingefallen sind. Item, daß auch die kölnische Katz und Maus prophezeien, es bleibe kein Jude bei dem Christenthum beständig, und was des Dinges mehr sein mag. Dieweil auch viel Christen wissen, daß nicht allein viel von den Laien beständig geblieben und selig worden sind, sondern, daß auch niemal einer wieder abgefallen wäre, der etwas studirt gehabt hätte, wie man stehet an Doktor Immanuel Tremellius, an Johann Isaak, an Antonius Margarita, an Elchanon Pauli und Paulus Weidener, welche alle in den nächstverflossenen hundert Jahren gelebt haben, und an vielen andern, welche Juden geboren und zum Theil noch leben, zum Theil aber als fromme Christen gestorben sind. Aber nicht, daß ich mich etwas rühmen sollte, da ich doch des Ruhmes mangele; allein, das weiß ich, daß ich wichtige und die allerwichtigste Ursach gehabt habe und noch habe, meine angeborene