Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1879-01-01 · 7-8 (1879) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
7-8 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554852-2554857--07230-2563239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

119 werden, welches Anerbieten er denn auch annahm. Hier nun war er als ein Eiferer bekannt und disputirte auch oft und gern mit Christen. Die Juden in Weikersheim hörten von ihm und wünschten sich nach Allem, was sie mit Felix erlebt hatten, gerade den Gibelstadter Rabbiner zum Nachfolger des Abgefallenen. Mendel nahm den Posten gern an, zumal es ihn besonders trieb, jenen Abtrünnigen kennen zu lernen und ihn fein Schwert fühlen zu lassen. In Weikersheim hörte er alsdann die näheren Umstände jener Begebenheit mit seinem Vorgänger, und dieselben versetzten ihn in eine große Erregung. Um so mehr trieb es ihn aber jetzt, Felix aufzusuchen und ihn für seinen Abfall zur Rede zu stellen. Die Begegnung fand Statt; Mendel trug nicht den gewünschten und erhofften Sieg davon und stand nun vor der Thatsache, daß es einem evangelischen Geistlichen gelungen war, auf Felix einen solchen Eindruck hervorzubringen, daß derselbe für das Judenthum verloren war. Das erweckte nun aber in ihm das Verlangen, jenen Mann auch kennen zu lernen und die Sache nunmehr mit diesem auszufechten. Sein Wunsch sollte erfüllt werden. Hofprediger Kern hatte davon gehört, daß A. Mendel mit ihm gern einmal in's Gespräch kommen würde, und sehnte sich selbst nach einer Gelegenheit hierzu; denn er hatte die gute Zuversicht, daß sich die Kraft des Evangeliums Christi auch an dem Herzen dieses Juden offenbaren würde. Eines Tages traf er ihn nun im Schloßgarten und redete ihn an. Das Gespräch wandte sich sogleich auf religiöse Dinge. Pr. Kern redete von dem Ebenbilde Gottes, vom Fall des Menschen und von der Strafe der Sünde nach 1. Mose 3. Aaron aber hielt ihm die Uneinigkeit der Christen vor, die ja in allen Lehren auseinandergingen, während die Juden einig seien. Kern entgegnete ihm jedoch, daß ihnen diese sogenannte Einigkeit nichts nütze, da auch die besten Juden auf dem Kranken- und Sterbebette ihrer Versöhnung mit Gott nicht sicher seien und nicht wüßten, wie sie dem Fegefeuer entfliehen sollten. Er hielt ihm als Gegentheil das Beispiel Jakobs, Hiobs und Davids vor, die ihrer Erlösung gewiß waren. Aaron wußte nicht recht etwas hierauf zu erwidern, sondern wurde unruhig und blieb es auch in der nächsten Folgezeit. Da entschloß er sich, mit Felix in einen Briefwechsel zu treten und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.