Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 7-8 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 er Anna Halidt, Tochter des Martin Halidt, Stadtschreibers vor dem Berge; aus dieser Che hinterließ er einen Sohn und zwei Töchter. Durch seine Amtsführung hat er sich großes Lob erworben, man rühmt besonders seine Unverdrossenheit im Berufe. War er ein nicht gewöhnlich begabter Kanzelredner und Prediger, so war er aber auch eifrig in der Unterweisung der Jugend, besuchte fleißig die Kranken, vertrat gern und willig, wo es begehrt wurde, seine Kollegen und kannte in der Wartung seines Amtes kein Ansehn der Person; ernst und ungescheut verkündigte er Hoch und Niedrig das ganze Wort Gottes und strafte die Sünde, wo er sie sah. Nicht, daß er ein strenger Eiferer gewesen wäre, sondern es war ihm nur ein völliger Ernst mit der Wahrheit und darum vertrat er dieselbe jetzt eben so sehr vor den Christen wie früher vor den Juden. Dabei hat er aber mit Kollegen, Nachbaren und Jedermann friedfertig gelebt, den Armen gern gegeben und in den damaligen schweren Zeiten bei dem Landeshauptmann und anderen vermögenden Leuten ihnen Brot, Korn und Geld erbeten. Fremde vielfach gehcrbergt und ihnen auf andere Weise gedient, Widerwärtigkeiten aber, die ihm selbst zustießen, mit großer Geduld ertragen. So hatte er im Jahre 1618 eben erst sein Getreide eingesammelt, als am 11. August Feuer ausbrach, das ihm die ganze Ernte und vieles Hausgeräth verzehrte. Er aber hat das mit stiller Demuth als Gottes Führung angenommen und nur das eine Wort hierbei gesagt: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt!" In seinem Hause waltete er als ein echter Priester; tägliche Andachten versammelten alle Glieder desselben zu Gesang, Schriftvorlesungen und Gebet. Seine Lebensweise war äußerst mäßig. Er lebte am Liebsten im Kreise der Seinen und nicht viel auswärts. Mußte er ehrenhalber bei Gesellschaften sein, so freute man sich über sein frisches, fröhliches Wesen, aber er wußte auch da in seinen Schranken zu verbleiben und hatte besonders vor allen Trinkgelagen einen großen Abscheu. Zeit seines Lebens aber schlug sein Herz für seine Volksgenossen. Er glich nicht jenen damals ziemlich zahlreichen Proselyten, die sich durch Schmähung der Juden das Vertrauen und