Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 7-8 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554852-2554857--07212-2563221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10t aus's Tiefste, so daß seine Sorge um dieselben auch die herzlichste Theilnahme seiner christlichen Gönner1 erweckte. Die Juden aber hielten seinen Sohn verborgen, und erst 5 Jahre später, nachdem er ihn unter großer Gefahr für seine eigene Person gesucht hatte, entdeckte er denselben am 19. Juli 1605 zu Windeck in der Grafschaft Hanäu. Da aber nahm er denselben bei der Hand und führte ihn mit sich; auch sein Bruder ließ sich bewegen ihm zu folgen, und am 8. Dezember desselben Jahres wurden Beide in Halberstadt getauft; der Bruder erhielt in der Taufe den Namen Stephanus, der Sohn die Namen Philipp Friedrich. Dieser Bruder ist Hernachmals Soldat geworden und in den Niederlanden geblieben; seinen Sohn hat er zuerst auf die Schule zu Halberstadt, dann auf die im Kloster Grauhof bei Goslar und später in die zu Bernburg geschickt, bis er ihn auf das Gymnasium zu Zerbst gab, das er endlich verließ, um die Kantorstelle zu Koswigk zu übernehmen, welche er auch noch beim Ableben seines Vaters verwaltete. Seine Ehefrau dagegen ist ihm nicht gefolgt und wollte auch vom Christenthum nichts wissen, sondern verlangte vielmehr die Trennung der Ehe; weshalb ihn das Consistorium zu Wolfenbüttel 1605 von derselben lossprach und schied. Ebenso verblieb seine Schwester im Judenthum; und besonders schmerzte ihn der Riß, der nun zwischen ihn und seine Mutter trat, „die ich nach Gottes Befehl mit möglichem Fleiß geehrt, also daß sie niemals, so lange ich ein Jude war, über mich geklagt". Seine große Vertrautheit mit der Schrift A. und N. T., die so weit ging, daß es wohl selten einen Spruch in denselben gab, von denen er, wenn sie ihm angeführt wurden, nicht alsbald die Stelle anzugeben gewußt hätte, bestimmte seine Freunde und Wohlthäter in Halberstadt und Helmstädt, ihm den Rath zu ertheilen, daß er sich doch im Predigen üben möchte. Anfangs wollte Gerson hierauf nicht eingehn; aber da die Freunde immer von Neuem in ihn drangen, so willfahrtete er ihnen endlich und hielt am Pfingstmontage 1608 in dem Magdeburgischen Bendorf seine erste Predigt, der bald andere folgten, weil er offenbar zum Predigen gute Gaben besaß. In der That beweisen es auch seine Schriften, daß er die Sprache sehr in seiner Gewalt hatte, und daß er mit außerordentlichem Nachdruck, mit großer Ueberzeugungskraft und in gewissenweckender Weise zu sprechen verstand. Ob-