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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 5-6 (1879) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
5-6 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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84 Messiaskönig dagegen beginnen die Juden selbst seine Krone abzunehmen und ihn durch eine Idee zu ersetzen. Und der Prophet hat doch Recht gehabt, da er weissagte (Jesaia 53, 12): Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben; darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Uebelthätern gleichgerechnet ist, und er Vieler Sünde getragen hat und sür die Uebelthäter gebeten. Äst das die wahre Religion? Die heutigen jüdischen Schriftsteller werden nicht müde, uns zu versichern, daß allein das Judenthum die rechte, wahre Religion wäre, und schließlich auch die ganze Welt dieselbe als solche anerkennen müßte. Nun herrscht aber unter den Juden selbst durchaus nicht Einigkeit darüber, was denn eigentlich unter „Judenthum" zu verstehen sei. Die Reformer und die Orthodoxen der verschiedensten Schattirungen, die Chasidim und die Karäer sind darüber in Streit miteinander und werfen einander oft auf's Allerbitterste „Abfall vom Judenthume" vor. Alle christlichen Kirchen halten doch am Apostolischen Glaubensbekenntnisse fest; der hauptsächlichste Streit derselben untereinander betrifft die Stellung der verschiedenen Menschen in der Kirche, in der Lehre von Gott dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist dagegen stimmen sie überein. Ganz anders im Judcnthum. Mit Entschiedenheit wird aus der Mitte desselben heraus behauptet, daß es kein bestimmtes Glaubensbekenntniß desselben gebe, so daß man sagen könnte: Dies ist Judenthum. Man hat allerlei Versuche gemacht, ein solches aufzustellen. Der berühmte Maimonides im 12. Jahrhundert hat z. B. 13 Glaubensartikel als das Bekenntniß des Judenthums niedergeschrieben, aber es wurde Jenem bereits damals und wird auch heute wieder durchaus bestritten, daß dieses oder irgend ein anderes Bekenntniß je wirklich darüber entschieden habe, was der jüdische Glaube sei. In der That giebt es kein Glaubensbekenntniß, welches die Synagoge als das jüdische erklärt hätte. Und die Welt, welche doch nach Meinung der Juden die religiöse Wahrheit bei ihnen suchen und von ihnen lernen soll, setzt dieselben in der That in die allergrößte Verlegenheit mit der Frage: „Was ist denn nun eigentlich Judenthum?"

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