Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 5-6 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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83 „Denn die Erde wird voll werden der Erkenntniß des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt". Soweit Maimonides über den Messias. Wo aber die Juden in die allgemeine Kultur eintreten und die volle bürgerliche Gleichberechtigung erlangen, erblaßt oder verschwindet selbst vollständig vor ihnen auch das Bild dieses Königs Messias. Der moderne Staat und das heutige Staatsbürgerthum ersetzen unfern Juden denselben zumeist vollkommen, und selbst für die modernen Orthodoxen unter ihnen ist er nur ein übererbter Artikel, der ihre Herzen ziemlich kalt läßt. In seiner andersgearteten Zeit nahm Maimonides noch den Messias in die 13 Glaubensartikel des Judenthums auf, für die heutigen Juden erscheint er im besten Falle in einem Nebenartikel. Der Messias ist Kern und Stern aller christlichen Kirchen bis zum heutigen Tage unverändert geblieben, er ist ihr A und ihr O, ist ihnen der Weg, die Wahrheit und das Leben. Woher kommt das, da wir doch nur von den Juden her erst über einen Messias etwas erfahren haben? Daher kommt es, daß wir den ganzen Messias des Alten Testamentes angenommen haben und behalten; deswegen bleibt uns, bleibt der Kirche auch derselbe, während die Synagoge ihren Messias unter den Händen verliert. Der Messias des Alten Testamentes ist freilich ein König, aber ein solcher, der sich durch Bluten und Sterben für ihre Sünde seine Unterthanen erwirbt. Dafür sind wir nun auch durch unlösliche Blutsbande mit ihm verbunden; das Band einer Liebe, die für uns in den Tod gegangen ist und die sich für uns zum Opfer dargebracht hat, hält uns mit unserem Messias zusammen. Um unserer Sünde und um unserer Gerechtigkeit, um unserer Versöhnung und Erlösung willen, für Leben und Sterben, für Zeit und Ewigkeit sind wir an ihn gekettet, deshalb verlieren wir ihn nicht. Bei den Juden dagegen reicht ein wenig irdisches Wohlergehen und Behaglichkeit hin, um sie ihres Messiasköniges vergessen zu machen. Das Gepräge der Ewigkeit trägt der Messias des Alten Testaments an sich, vergänglich von Art ist derjenige der Synagoge. Der Messias, welcher um seiner Niedrigkeit willen den Juden ein Aergerniß geworden ist, hat einen Namen empfangen, der über alle Namen ist, welche je die Erde gekannt hat; ihrem stolzen 6*